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Wegstrecke von der Martinikirche zu dem 1712 jenseits des Hohen Tores für die Gemeinde neu angelegten Martinifriedhof
Bildquelle: Google Maps

KREUZGANGS LIEBLINGSORTE: (BURG-)DOMPLATZ UND (MARTINI-)FRIEDHOF

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dem St. Bla­sius-Dom auch ein Friedhof namentlich eine Rolle spielt. Und zwar erscheint er – was aufhorchen läßt – als Ver­samm­lungs­ort des Fe­me­ge­richts, dessen wie frei­mau­re­ri­sches Zeremoniell den jungen Klingemann damals stark be­ein­druck­te. Kreuz­gang, der da ent­schie­den di­stan­zier­ter ist, läßt sich trotz seiner generellen Absage an »alles Ge­heim­niß­vol­le und Wun­der­ba­re, vom Frei­mau­rer­or­den an, bis zu den Mysterien einer zwei­ten Welt« zum erstenmal von ei­nem ge­wis­sen Schau­der auf die­sem Fried­hof mit dem kabbali­stischen Denkmal ergreifen (16. Nachtwache, a.a.O., S. 187ff.). Wei­ter­ge­hen­de Er­war­tun­gen werden zunächst aber dadurch enttäuscht, daß Klin­ge­mann sich in dem »hi­sto­risch-ro­man­ti­schen Ge­mähl­de aus dem dreizehnten Jahrhunderte« um äu­ße­re Stim­mig­keit be­müht und so­mit of­fen­bar auch an ei­nen Fried­hof in­ner­halb der Stadt­mau­ern denkt:

»Braunschweig. Martinikirchhof.

(Im Hintergrunde die Kirche, viele Monumente stehen auf dem Plazze. - Finstere Nacht... Viele Freifrohnen und Ver­mummt­e gehen um­her. 

   Otto, (an das Piedestal eines mit Trophäen gezierten Monuments gelehnt.) Auch hier ruht einer von Hagen, des­sen Grab die Her­zö­ge so zierten, blos weil er in der Schlacht den Tod für's Vaterland starb ... Stürzt Mo­nu­men­te und Ehre­nsäu­len, ihr sähet ja nie dem Da­run­ter­lie­gen­den in das Herz.«155) 

 

Der alte Kirchhof bei der Martinikirche wäre demnach gemeint, der 1758 gepflastert wurde.156) Schon 1712 war der Martinigemeinde statt­des­sen der knapp einen Kilometer entfernte Friedhof gleichen Namens am Hohen Tore zugewiesen worden. <...> Dieser neue Martinifriedhof, in des­sen Nä­he Klingemanns Mutter 1775 »einen Garten samt dar­auf ste­hen­dem Hau­se und son­stigem Zubehör« geerbt hatte157), mußte Klin­ge­mann nicht nur deswegen und wegen seines historisierenden Ritterromans gut vertraut sein. Denn er wies außerdem ei­ne her­zog­li­che Eh­ren­säu­le für den sei­ner­zeit be­rühm­ten Frei­mau­rer v. Lestwitz auf und war zu­dem Grab­stät­te von Klingemanns Vorgesetztem und Dichterkollegen Johann Anton Leisewitz so­wie von Jo­hann Ar­nold Ebert, der Ed­ward Youngs Blank­vers­dich­tung »Night Thoughts« (1742-45) durch ei­ne Prosaübersetzung in Deutschland populär ge­macht hat­te. Die Kennt­nis die­ser »Nacht­ge­dan­ken« hat die Bonaventura-Forschung seit Her­mann Michel für den Ve­rfas­ser der »Nacht­wa­chen« zwar öfter

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155   Die Asseburg. Historisch-romantisches Gemählde aus dem dreizehnten Jahr­hun­der­te (an­on­ym, 2 Bde., Braun­schweig 1796f.), Bd. 1, S. 293f.    156  H.  Meier/W. Schadt, a.a.O.     157  H. Burath, a.a.O. (Fußnote 84), S. 18

 

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