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ERSTE ANTWORTEN AUF FICHTE: KREUZGANGS BRUDERGESTALT ALESSANDRO

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All unser Interesse auf sich ziehen nun die vier großen, rhythmisch fortrückenden Monologe Ales­san­dros, die trotz des ner­vö­sen und rhapsodischen Vortrags so deutlich auf Kreuzgang vor­wei­sen, daß ich schon im Anhange zu mei­nem »Roh­ma­nus­kript«1973 aus ihnen zitierte und dies hier wieder tun will.

   Von den zentralen intellektuellen Themen der »Nachtwachen« erkennt man dabei sicherlich leicht die These vom Men­schen als dem ver­un­glück­ten Entwurf der Natur, die ihn durch die geschlecht­liche Liebe zu betrügen wuß­te, sodann das Teufels­ge­läch­ter über die Selbsttäu­schungen des Menschen, das Einbrechen einer gei­sti­gen Nacht und die ge­gen­christ­li­che Ah­nung um das leer­blei­bende Grab; schon angedeutet ist zudem der formelhafte Buch­schluß mit der drei­fa­chen Ne­ga­ti­on:

»Im Thale schwamm ein dünner Nebel und verbreitete ein magisches Hel­dunkel alles fühlte sich so frei und leicht ge­stimt, nur Ales­sandro kam lang­sam und ernst aus dem Haine er hatte die Arme fest über ein­an­der ge­kreuzt und war in ein tie­fes Nachdenken versunken. Er blickte finster in die Höhe; über ihm span­te sich der ge­stirn­te Him­mel aus, ei­ne zahllose Menge glänzener Welten schwamm in dem weiten Luft­rau­me. Un­er­gründ­li­ches Schick­sal!sagte er zu sich. ... Ein spielender Zufall wirft sich zwischen Vor­saz und Hand­lung und die kühn­sten Welt­er­obe­rungs­träu­me schei­tern an der Wil­kühr eines Wur­mes! Von ho­hen Ent­wür­fen schwelt sich die Brust, die Phan­ta­sie schaft sich ei­ne Zu­kunft voll Feen­ge­stal­ten da reißt ein Wind­stoß ei­ne Schnee­flokke vom Fel­sen, sie stürzt, schwilt an ... ein feind­se­li­ger Geist schwebt über der Un­ord­nung, und lacht über das Gau­kel­spiel das er sich berei­tete ... Wer Gott ver­wirft, nur der ist groß die Frei­heit selbst, ist Gott­heit! Zum Selbst­mor­de, oder zur Un­sterb­lich­keit muß die­ser Weg mich füh­ren ! ...   Er ging langsam weiter, tief zog er sich in sich selbst zurük und end­lich kam er, oh­ne es zu wol­len zu dem na­hen To­ten­ak­ker ... Diese lange Nacht durchdringt kein sterbliches Au­ge! Hier nimmt die Luft kei­nen Schall mehr auf! Hier ist der Grenz­stein hin­ge­wälzt! Aus diesen Gräbern steigt nichts mehr her­vor - öf­ne sie und die Ver­we­sung zieht Dich hin­ab zu ih­rer Beu­te!«223)

Später, als sich seine Mittel-zum-Zweck-Strategie mehr und mehr als ein Fehl­schlag herausstellt:

» ... es ist die tote schreckliche Stille die über ein Land herscht, das die Pest entvölkerte! ... Was ist doch der Mensch? ... Um ihn er­hebt sich eine Welt, und er sezt sich zum Herrn dieser Welt. Eigenmächtig trägt er in sie hin­ein was ihm be­liebt und glaubt in diesem bunten Spiegel sich selbst zu bestaunen! - Sein Gott ist ein Werk sei­ner Hän­de ein zer­brechli­cher Gö­ze, dem er zu dienen glaubt, wenn er sich selbst nur dient ... Der Fleck wor­auf ich ste­he ist nicht gut! Ich grau­se vor mir selbst! (er sieht auf und erschrickt.) Die Nacht bricht ein; es ist au­ßer mir und in mir dun­kel ge­wor­den«.224)

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223  Die Ruinen im Schwarzwalde, a.a.O. Bd. 2, S. 58-63    224  ebd. S. 182-186

 
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