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LITERARISCHER VAMPIRISMUS. KLINGEMANNS NACHTWACHEN. VON BONAVENTURA 

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Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4c/Kavalierhaus_Braunschweig_Schmidt.jpg

 

ge­trie­ben.«177) Jenes »Collegium Medicum« befaßte sich nach Ribbentrop als ober­ste Me­di­zi­nal­be­hör­de des Landes mit den Examen der Ärzte, Apotheker, Bader und Hebammen, mit Vi­si­ta­ti­o­nen und an­de­ren Auf­ga­ben der Me­di­zi­nal­po­li­zei.178) Mit der Behörde wurde Klingemann dem­nach nicht erst um 1805 als Nach­fol­ger des Va­ters ver­traut, viel eher schon dürften ihn me­di­zi­ni­sche Be­lan­ge so sehr be­schäf­tigt ha­ben, daß man sich un­ter dem Ver­fas­ser der »Nacht­wa­chen« auch ei­nen Arzt vor­stel­len konn­te. Zu­gang zur Fach­li­te­ra­tur er­mög­lich­te ihm schon sein Va­ter, der in den »Braun­schwei­gi­schen An­zei­gen« vom 2.3.1799 ei­ne Rei­he von me­di­zi­ni­schen Bü­chern auf­führt, die bei ihm in Kom­mis­si­on zu haben sei­en. Klin­ge­manns Leh­rer Eschen­burg war ein An­hän­ger des Browni­a­nis­mus, den Hans­wurst in der 8. Nacht­wa­che so ve­he­ment ver­tritt, und em­pfahl dies Heil­sy­stem in sei­nen Vor­le­sun­gen am Carolinum.179) Au­ßer­dem zählten zu Klin­ge­manns Je­na­er Freun­den zwei Me­di­zin­stu­den­ten, der spä­te­re Di­rek­tor des Wei­ma­ri­schen Me­di­zi­nal­we­sens Lud­wig Friedrich v. Froriep sowie Klingemanns »Mem­non«-Bundesgenosse Stephan Au­gust Win­kel­mann. Dieser wurde 1803 mit Drei­und­zwan­zig Pro­fes­sor am Braunschweiger Ober­sa­ni­täts­kol­le­gi­um (dem vor­ma­li­gen »Col­le­gi­um Me­di­cum«), verstarb aber schon 1806 an Ty­phus.180)

   Zu seiner ei­ge­nen Re­gi­stra­to­ren­tä­tig­keit scheint Klin­ge­mann sich nie schriftlich ge­äu­ßert zu haben und auch nicht dazu, daß sein musikalischer Jugendfreund Carl Bornhardt 1815 sein Nachfolger am Kol­le­gi­um wurde. Über sei­nen Va­ter Julius dürfte er jedenfalls schon früh auch mit Gemüts­- und Gei­stes­krank­en wie der Ophelia aus der 14. und dem Personal der 7. Nachtwache in Berührung ge­kom­men sein. In dem Braun­schwei­ger »Werk- oder Zucht­haus«, das dem Aufsichtskollegium un­ter­stand und ein eigenes ärzt­li­ches Personal un­ter­hielt, wur­den auch »Blöd­sin­ni­ge, und des Ver­stan­des be­raub­te Per­so­nen« auf­ge­nom­men; in dem für Män­ner be­stimm­ten »un­tern Stock­werk sind ... klei­ne ab­ge­son­der­te Be­hält­ni­ße für ganz ra­sen­de Per­so­nen. Das zwei­te Stock­werk ist zum Auf­ent­halt der Zücht­lin­ge, und me­lan­ko­li­scher Per­so­nen weib­li­chen Ge­schlechts be­stimt.«181) Klin­ge­mann selber be­ruft sich bei der Schil­de­rung ei­nes Be­suchs bei den »men­te cap­tis« in Cel­le (1817) auf ei­ge­ne frü­he­re Be­ob­ach­tun­gen:

»Es ist ein trauriger Anblick, wenn sich die Gemächer öffnen, in welchen jene unschädlicheren Ir­ren ver­wahrt sind; deren Wahnsinn, in seiner eigenen innern Welt verkehrend, wenig oder gar nicht

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177  Burath, a.a.O. (Fußnote 84), S. 16f.   178  Rippentrop, a.a.O. (Fußnote 127), Bd. 2. S. 42f.   

179  Johann Joachim Eschenburg, Lehrbuch der Wissenschaftskunde, ein Grundriß encyklopädischer Vor­le­sun­gen (2. Aufl., Berlin u. Stettin 1800), S. 254

180 Zu Winkelmann vgl. die bewegende biographische Studie von Ingeborg Schnack (in: Braun­schwei­gi­sches Jahrbuch 1987, S. 83-112) und zu Froriep Klingemann in Kunst und Natur, a.a.O. (Fuß­no­te 23), Bd. 2, S. 403   181  Ribbentrop, a.a.O., Bd. 2, S. 245-252

 

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Das »Cavalierhaus« am Bohlweg in Braunschweig, Sitz des Obersanitätskollegiums, des vormaligen »Col­le­gi­um Me- dicum«: Wirkungsstätte von August Klingemann und dessen Vater Julius (Kupfer 1748 von Johann Georg Schmidt)

 

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