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Ruth Haag 1987
>Die Erscheinung<



Braunschweiger Messe, Szenerie am Kohlmarkt; im Hintergrund rechts die Martinikirche beim Altstadtmarkt.
Lithographie von H. C. Vellguth (um 1840)
Quelle: www.nibis.de/~mobbs/3.Zeitung/info/messe.htm
 

Wir sehen dies, wie gesagt, auch daran, daß sich Arnim für seine elegante und mun­te­re Charakterisierung etlicher französischer The­a­ter und ih­rer Stücke noch die äußere Si­tu­a­ti­on um ein Kran­ken­la­ger her ge­wählt hat, mit leicht al­le­go­ri­scher Überhöhung der ver­schie­de­nen Per­so­nen (die Kran­ke, der Er­zäh­ler, die Ge­sun­de, der Schrei­ber, der Welt­freund, ein Haus­kobold schließ­lich). Dies ist ja nicht das Si­tu­a­ti­ons­bild, von dem Klin­ge­mann ali­as »Bo­na­ventura« für die »Nacht­wa­chen« aus­geht (abgesehen davon – ei­ne klei­ne Hom­ma­ge an Ar­nim? –, daß die er­ste Nacht­wa­che um ei­nen Tod­kran­ken, den ster­ben­den Freigeist kreist). Vielmehr ist es das schon 1802 für die Mes­se ge­brauch­te Bild, das ei­nes um­her­strei­fen­den und sich wie­der zu­rück­zie­hen­den Be­ob­ach­ters:

»Gemählde der Braunschweiger Sommermesse 1802.«

Er setzt recht zweideutig ein, wohl um die Anonymität nicht aufs Spiel zu setzen: »Ich reisete nicht in mer­kan­ti­li­scher Hin­sicht zu dieser Mes­se...« (was er als Braunschweiger wahr­lich nicht nötig hatte), »viel­mehr will ich Ih­nen ein all­ge­mei­nes Ge­mählde von Braunschweig zu die­ser Zeit entwerfen und Sie auf­fo­dern, mich auf mei­nen Spa­ziergängen zu be­glei­ten.« Wie Kreuz­gang seine nächtlichen Gänge oder »Nacht­wa­chen« wie­der­holt mit Gemälden oder »Nacht­stü­cken« ver­gleicht, so werden hier die »Ge­mähl­de«-Aus­schnit­te der Messe in Form von sechs »Aus­flü­gen« er­zählt (»Er­ster Aus­flug« usw.). Schon hier ist es ei­ne Aus­nah­me­zeit, ei­ne po­si­tiv gesteigerte freilich, denn »eine Messe ist mir gleich­sam ein fest­li­che­res Bild des Le­bens, die all­ge­mei­nen Verhältnisse sind mir höher ge­rückt. Alles greift frischer in ein­an­der ... «:

   Flüchtig wird das Warenangebot in den Buden und auf einer Galerie durchlau­fen, in einer Rotunda läßt er sich das il­lu­si­o­ni­sti­sche Pa­no­ra­ma von Toulon zei­gen und stellt sich uns dann als raffinierter Flaneur vor, der sich bei seinen Streif­zü­gen gern auch vom Zufall leiten las­se. Doch all die Attraktionen und Amü­se­ments wie das noch im Bau be­find­li­che »Ko­los­seum« des Vieweghauses, Illuminationen mit den »Töch­tern der Freu­de« im Mit­tel­punkt, ein Besuch im Schau­spiel­haus (»Die deutschen Kleinstädter« Kot­ze­bues sei­en in die­ser tristen Um­ge­bung am Platz), ein Kunst­ka­bi­nett im klei­nen Theater eines Kaf­fee­hau­ses (»me­cha­ni­sche Figuren, ein aerostatischer Reiter, optische Er­schei­nun­gen, al­les das fliegt luf­tig an uns vor­über«), ei­ne Pro­me­na­de um den Wall, ein so­ge­nann­ter medizinischer Gar­ten, das reicht ihm end­lich, »man är­gert sich über die lee­ren Ver­gnü­gun­gen, so wie ich mich auch jetzt schon bei der Be­schrei­bung zu är­gern an­fan­ge. Man möch­te der Mu­sik den Mund ver­stop­fen und wünscht, daß sich die Ari­en aus dem Do­nau­weib­chen ... nur end­lich ein­mal dem Teufel ver­schrei­ben möch­ten ... Man nimmt sich vor, nur noch den sechsten Aus­flug zu beginnen und dann


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