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LITERARISCHER VAMPIRISMUS. KLINGEMANNS ›NACHTWACHEN. VON BONAVENTURA‹ 

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Und dann, ehe Alessandro auf einem Maskenball den tyrannischen Herzog Gerardino erdolcht:

 

»Mitternacht. (Er liegt vor einem Krucifixe auf den Knieen und scheint zu beten.) ... Um­sonst! So wie es aus dem Her­zen komt, so kehrt es wieder in das Herz zurück und der leere Schall zerfliegt in der Luft! – Zu wem bete ich denn? Nie­mand ist da, der mich hört! Kein Ton schlägt mehr in meiner Seele an - ich ru­fe in den luft­lee­ren Raum und hö­re mei­ne Stim­me nicht ... In mir ist es leer und weit ... ich blikke auf die Ru­i­ne ei­ner un­ter­ge­gan­ge­nen Welt«.222 

 

Nach dem großen Vernichtungstraum, der für die 14. Nachtwache zu erörtern war, folgt nun die Schluß­sze­ne. In Ge­dan­ken an sei­ne Opfer steht Alessandro in schwarzer Nacht auf den Klippen:


»›Verschwunden auf ewig! streut die Asche in den Sturm und der Gedanke ist verweht ... – es giebt keinen der die tausend Thränen zählt die in dem Strome dahin flössen. Horch! es saußt herüber aus der dunkeln Nacht – ihre kla­gen­de Stimme schalt durch den Sturm – ihr Haar fliegt im Winde! Armes Mädchen, Dein Ge­sicht so bleich ...‹ Er schlug nie­der mit dem Ant­li­ze auf den starren Felsen – der Bliz zischte bei ihm herab und zersprengte die Klip­pen; ihn traf er nicht – der Sturm wühl­te durch sein Haar; er empfand ihn nicht! – End­lich rich­te­te er sich wie­der auf und fass­te mit den Händen durch die Nacht ! – ›Ha! ich bin allein! – Hört ihrs! Die Erde erbebt in ihren Grund­fe­sten ... und da versinkt's um mich her ... Ich noch allein ... ich versinke!‹ – Von dem Felsen her­ab stürz­te er in die Fluth – hoch thürmte sich die Wel­le – sie verschlang ihn; hin­ter ihm her zisch­te ein Bliz in die Tiefe.«223

 

Der Buchtitel »Die Ruinen im Schwarzwalde« zielt zunächst auf das vordergründige Leserinteresse und meint hier das Schau­er­re­qui­sit einer alten verlassenen Villa, in der die geheimen politischen Aktionen zu­sam­men­zu­lau­fen scheinen. Es ist das Ver­steck des ge­flüch­teten Fürsten, aus dem er sich von Zeit zu Zeit als gei­ster­haf­te Er­schei­nung wie aus
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222   ebd. S. 312f.   223  ebd. S. 338ff.

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