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Minoische Palastanlagen von Knossos; Luftaufnahme und zeichnerische Rekonstruktion



Oben: Das Stierfresko beim Nordeingang (eine der Rekonstruktionen von Pieter de Jong). Darunter die Südostecke des Palastes und daneben eine minoische Labrys. – Rechts: Der Thronsaal mit dem Greifenfresko und einer kultischen Porphyrschale; darunter das „Große Teppenhaus” im Ostfllügel.

Quellen: www.minoer.net/wp-content/uploads/2011/02/Knossos-49961-87537-61074-4.jpg    www.rokkor.de/crete/knossos/drawing_knossos.jpg   www.grieksegids.com/griekenland/2007/albums/userpics/10349/Stierhorens~0.JPG www.historywiz.com/images/greece/labrys.jpg    

             https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/ea/Knossos_-_North_Portico_02.jpg/1280px-Knossos_-_North_Portico_02.jpg   www.instagram24.com/tag/k%C3%B6nigminos   http://i.imgur.com/vyX9Z9A.jpg  

          

Am Nachmittag wollen wir noch nach Iráklio, finden uns aber wegen der sehr unzulänglichen Ausschilderung unvermutet auf der Ausfallstraße nach Knossos wieder. So besichtigen wir denn spontan diese Anlagen, obgleich wir dies erst für morgen vorhatten.

   Entdeckt hatte Knossos nicht Arthur Evans, sondern der archäologisch interessierte kretische Kaufmann Minos(!) Kalokairinos, der auch zwei Magazinräume mit Fundstücken freilegte. Evans freilich führte seit 1900 die systematische Ausgrabung durch. Der Sohn eines englischen Archäologen hatte in Oxford und kurzzeitig auch in Göttingen studiert; auf die Spur von Knossos brachte ihn Heinrich Schliemann, der aber von seinem Ausgrabungsvertrag zurücktrat, als er auf dem angekauften Gelände statt der zugesagten 2500 Ölbäume weniger als die Hälfte gezählt haben soll (fatale Erbsenzählerei eines gelernten Kaufmanns).

   Der in minoischer Palastbauweise um einen rechteckigen Zentralhof liegende Gebäudekomplex wurde um 1700 v. Chr. auf den Ruinen eines Vorgängerbaus errichtet und bis etwa 1350 v. Chr. bewohnt. Im Vertrauen auf die Insellage und die mächtige, das östliche Mittelmeer ein Jahrtausend lang beherrschende Flotte besaß auch Knossos keine Ummauerungen oder andere Verteidigungsanlagen. Der „Neue Palast” soll mehr als 1400 Räume aufgewiesen haben; es gab schon Annehmlichkeiten wie Badewannen, Zuleitungen von Quell- und Regenwasser durch Kanäle und Terrakottaröhren, Gebäudeheizung durch Warmwasser, ein Belüftungssystem sowie Wände mit Doppelmauern gegen störenden Lärm. Ein architektonisches Kleinod ist das im Ostflügel liegende „Große Treppenhaus”, das zwei Stockwerke nach unten in den Wohnbereich des Herrschers führte; mehrgeschossige Kolonnaden aus Zypressenholz (heute Betonsäulen) flankierten den mit einem Lichtschacht versehenen Innenhof.

   Arthur Evans’ mitunter harsch kritisierte Rekonstruktion, die unter Gebrauch von Stahlbetonpfeilern – mit aufgemalten Holzmaserungen – eine konsequent ergänzende Aufmauerung unternahm, hat ihren eigenen Zauber. Denn das Durchsteigen und Durchlaufen all der wiedererrichteten Halb- und Zwischengeschosse dieses verwinkelten vier- bis fünfstöckigen Komplexes dürfte vielen Besuchern die Empfindung eines veritablen Labyrinths hinterlassen. Das kultisch stilisierte, die Südostecke überragende mächtige Stiergehörn deutet denn auch selber auf das Minotaurus-Labyrinth hin; dass das Wort ,Labyrinth’ sich von ,Labrys’ = ,Doppelaxt’ herleiten soll, steht nicht im Widerspruch dazu. Denn zeichnen sich nicht auch in diesen Ritual-Doppeläxten die Kulthörner des Stiers umrisshaft ab?

    Nicht rekonstruiert hat man Dutzende kleinerer Hörner, die einst die Zinnen krönten. Die Buntheit der Freskorepliken mag einen heute verstören, ist aber wohl keine Verfälschung. An Ort und Stelle belassen wurde eigentlich nur der Thronsessel aus Alabaster, der älteste bislang in Europa gefundene, dessen Replik in Erinnerung an die drei mythischen minoischen (Toten-)Richter dem Friedenspalast in Den Haag 1913 zum Geschenk gemacht wurde. Nicht zuletzt wegen der sehr bescheidenen Ausmaße dieses fensterlosen Raums im Erdgeschoss des Westflügels wird kaum mehr angenommen, dass dies der Thron eines Herrschers war, stattdessen deutet man ihn zunehmend als Sitz der Hohepriesterin, die vielleicht in einer Epiphaniezeremonie die minoische Schlangengöttin repräsentierte. Dem Thron gegenüber lag ein abgesenktes kultisches Lustralbecken. – Viele Fundstücke aus Knossos werden wir dann im AMI-Museum von Iráklio betrachten.


Bei unserem abendlichen Spaziergang am Meer überkommt mich das Gefühl, schon jetzt wieder zurückfliegen zu können. Jedenfalls kann ein einziger erfüllter Tag, von dessen Begebenheiten und Informationen ich hier ja nur einen Bruchteil festgehalten habe, eine kleinere Reise aufwiegen.

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