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Reiseroute von Prag bis Weimar

Karlsbader und (unten) Marienbader Kurbadarchitektur

Bildquellen: Google Maps    https://bohemia-kur-reisen.de/media/k2/items/cache/13f34e2b533e12c6166f88368dcd8c07_XL.jpg    https://synke-unterwegs.de/wp-content/uploads/2017/04/Marienbad-8.jpg


Vor dem Mauerfall: Reise (1987) nach Weimar, Ostberlin und Brandenburg

 

Do. 16.7.87) Nach dem Besuch von Prag fahren wir weiter in Richtung Karlsbad, wo wir über trostlose neue Außenbezirke ins Zentrum mit den Kurbauten kommen. Einige Gebäude schei­nen noch aus der Goethezeit zu stammen. Ein abgerissen wirkender Scheich kommt bei vorgeschobenem Unterleib mit Plastiksandalen daher, hat aber zwei Begleiter (Leib­wäch­ter?). Einige westdeutsche Besucher werden von tschechischen Kindern um Kaugummi und Kugelschreiber angebettelt, was uns in Prag keinmal vor Augen gekommen war. Wir fahren weiter nach Marienbad, wo an der kilometerlangen Hauptstraße viele Kurgäste promenieren; auf der Suche nach einem Hinweisschild für das Goethe-Museum fah­ren wir vergeblich einige Hangstraßen ab (wir hätten stattdessen nach dem Stadtmuseum“ suchen sollen, das im 1. Stockwerk eine Goethe-Sammlung enthält).

  An der Grenzstation bei Franzensbad findet wie im Vorjahr beim Verlassen von Ungarn ein peimliches Zurücktauschen der nicht verbrauchten, aber mit einem Ausfuhrverbot be­leg­ten Kronen statt: Zuerst muss ich mich bei Grenzbeamten bis zur Wechselstelle durchfragen, wo eine ostentativ unwillige Beamtin herantrottet, den Schlüssel zu ihrer Kom­bü­se sucht, umständlich einen Tresor öffnet und nach dem Elektrokabel für ihren Taschenrechner sucht. An der DDR-Grenzstation Schönberg überprüft ein Grenzbeamter mit Mau­rer­pran­ken 20 Minuten lang unsere Papiere. Beim Geldumtausch im Ort selbst befremdet uns, dass auch Leute aus dem Ort Ostgeld in DM umtauschen wollen und so mancher dann bei einem ungünstigem Kurs statt­des­sen Rentengelder(?) einzahlt.

   Auf der Suche nach einer Tankstelle für „Super“ werde ich erst bei schon leuchtender Tankanzeige in Bad Brambach fündig (so ähnlich wie „Boatbroomboach“ spricht es der Tank­wart aus). Wider Erwarten kann ich nicht in Ostmark, sondern muss in Westmark bezahlen. Wir nehmen danach die Transit-Autobahn nach Weimar, die im Gegensatz zur nörd­li­chen Strecke nach Braunschweig und Hamburg in elender Verfassung ist und auf der abgefahrenen rechten Spur kaum 100 km/h erlaubt. Auf den Rücksitzen einiger „Trabis“ hüp­fen Kinder wie Gummibälle (hoch lebe dagegen der tschechische Škoda)!

Im Weimarer „Elephant“-Hotel werden wir freundlich empfangen, tauschen aber sogleich das in ein Hinterhofgeviert führende Zimmer gegen eines ohne Fernsehgerät, das dafür auf ein Gärtchen und ein Eckchen vom Frauenplan zeigt. Die Einrichtung ist karg wie in den mir vor vor gut 20 Jahren besuchten Hospizen, zudem ist die Beleuchtung defekt und sind die Betten in der Mitte schon „elephantuös“ durchgelegen (meine Frau Ruth wird in der Nacht vom Bett auf ein Handtuch wechseln). Im Flur grinst uns Honecker leicht schie­lend an, und in einer Ecke zeigt sich Rauchs Goethebüste.

   Ich stoße bald auf einen Oberkellner, der nach Nicht-Hotelgästen Ausschau zu halten scheint und mich in Harnisch bringt, als er meiner Versicherung zu misstrauen scheint. Im Lau­fe des Abends wird deutlich, dass er zwangsneurotisch agiert, die stumm und ergeben dastehenden DDR-Gäste ungebührlich lange warten lässt, zu ihrer Platzierung dann auf sie los­rennt und mit seiner Alkoholfahne mit ihnen zu den Plätzen stürmt. Darunter sind wohl einige mittlere DDR-Funktionäre, die dann neben uns platziert werden.

   Beim abendlichen Rundgang haben wir gewisse Orientierungsschwierigkeiten, obgleich mir Weimar durch meine Arbeit beim Goethe-Wörterbuch vertraut sein müsste. Wir kom­men an dem Brunnen vor Goethes Wohnhaus vorbei und zuletzt an der düsteren Rückseite des Nationaltheaters, wo uns eine junge Frau in ein Gespräch über die Musik von Erik Sa­tie zu verwickeln sucht.

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