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RUTH FLEIGS GALERIE
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HORST FLEIGS TEXTE:
I  Philosophica
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Pico della Mirandola
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Rück- und Ausblick
B ERINNERUNGSBILDUNG
Schock der Rückkehr
Erinnerungsautomatik
Wuchernde Phantasie
Seel. Raumpositionen
Sprache und Erinnern
Besuch als Korrektiv
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Über das Vergessen
Biogr. Stimmigkeit
Proust. Doppelgänger
Selbsterweiterungen
II  Reiseberichte
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
VI GERMANISTICA
ERSTER LEBENSRAUM: ERINNERUNGSAUTOMATISMUS ENTLANG DEN ERLEBNISSZENEN
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war, kreuz und und quer mit Nachforschungen zu Schauplätzen und Personen. Jene letzte Empfindung, allem dort für immer ent­frem­det zu sein, dürfte darum nur eine Schock- oder Schutzreaktion gewesen sein, eine Art Totstellreflex gegenüber der wie vam­pi­ri­schen Bedrohung, die noch von dem Klingelschild ausging, hinter dem sich mein jugendlicher Wiedergänger zu verbergen schien. Eine Reaktion, die wie das Zerreißen der Photos im Vorjahr ein Akt der Verleugnung war und gleichzeitig gutgeheißen wurde von ei­nem konkurrierenden tieferen Wahrheitsgefühl. Wie ich jene gestellten Photos als irrelevant und pseudo-objektiv verwarf, so jetzt die Relikte meiner alten Wohnumgebung; und hier wie dort ließ sich die Vernichtung als Steigerung oder Errettung biographischer Integrität genießen. Welch heikle Kollision der Selbstempfindungen mit dem unschätzbaren, oft wirklich unabsehbaren Wert des Dokumentarischen, seien es Photos oder Lebensräume! Und doch wird man sich von Zeit zu Zeit ähnlich entscheiden müssen. Immer dort, wo die materiellen Relikte unsere Erinnerungsfähigkeit zu blockieren drohen, wo man nur noch gebannt hinstarren kann auf irgendeine Lokalität oder auf weiter nicht mehr erklärliche Momentaufnahmen, die kaum mehr als die Künstlichkeit, Ba­na­li­tät und Peinlichkeit der damaligen Situation dokumentieren, dort also, wo nichts mehr auf einen größeren oder noch unbekannten Zusammenhang hindeutet, sollte man sich dieser Dokumente entledigen oder auch die Rückkehr einstellen. Zumal einem ja noch zur Rekonstruktion das von den materiellen Objekten und der räumlichen Begegnung unabhängige Erinnerungsvermögen verbleibt, das spürbar hinter jenem tieferen Wahrheitsgefühl stand und es vielleicht auch in der Sache beglaubigen könnte.


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SICHERINNERN: Wohl am leichtesten und luftigsten vor dem Einschlafen, wenn man sich, schon gelöst vom Tage, über ein tausendmal durchlaufenes Zentrum seiner Kindheit beugt. Erinnerung kann hier zu einem überirdischen Vermögen werden, das aus einer merk­lich erhöhten Perspektive – die sich gelegentlich der Vogelperspektive annähert – eine kontinuierliche Verbindung schafft zwischen den zeitlich auseinanderliegenden, in unserem Lebensgefühl aber zueinander gehörigen Episoden, Begegnungen und Phantasien. Ei­ne zeitüberschreitende Komposition, in der sich die Umgebung wie mit einer Filmkamera fast nach Belieben abfahren lässt. Zu dieser mühelos und weithin automatisch ablaufenden Raumerkundung gesellt sich nun die eigentlich szenische Erinnerung, die, mit einzelnen Erlebnisbildern operierend, in dieses Raumkontinuum ihre zeitlich unterscheidbaren Akzente setzt, doch so tolerant, dass die oft beträchtlichen Zeitenabstände zwischen den Erlebnisszenen unwesentlich werden und wir uns in einem so niemals erlebten, nun


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