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III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
VI GERMANISTICA



Oben: Illumination der „Casa Fernando Pessoa” mit Versen des Dichters („Viver os moribundos!”)
Darunter Pessoa und seine Elegie ,Mar Português’ auf einem brasilianischen Azulejo (Forte Pico in Niterói)



Oben: Phillip Winters Blick hoch zu den Lecks in seinem Schneideraum
Darunter dieser nun restauriert „Gov­er­nor's Room” des „Palácio Belmonte”

Quellen: http://fotocache01.stormap.sapo.pt/fotostore01/fotos//08/be/f5/4828572_zzu9v.jpeg  http://poetsorg.tumblr.com/post/25092202487/niteroi-forte-do-pico-praca-portugal  Wim Wenders, 'Lisbon Story' (18:13)  http://palaciobelmonte.com/image-video-gallery/palacio-belmonte-by-joana-pinto/  

 

Im südlich angrenzenden Stadtteil Campo de Ourique besichtigen wir am Nachmittag die „Casa Fernando Pessoa” (10). Das Gebäude gehörte der Familie des Dichters, der es von 1920 bis zu seinem Tode (1935) bewohnte. Bei der so gründlichen wie eleganten Restaurierung des verfallenen Hauses und seinem Umbau zu einem Forschungszentrum und Museum mit Ausstellungs- und Konferenzräumen blieben kaum mehr als die Fassade und Pessoas Zimmer im 1. Stock erhalten. Eine Bibliothek mit seiner eigenen Büchersammlung und mit Publikationen zu seinem Werk zieht sich über zwei lichtdurchflutete Stockwerke hin. Zu den anrührenden Exponaten gehören eine kleine filigrane Brille Pessoas und ein Ausweis, den der Dichter außer mit der Unterschrift mit dem Abdruck seines rechten Zeigefingers zu beglaubigen hatte. Die Phantasie des Besuchers gehörig anregen soll gewiss auch das Imitat der von seinen Erben einst versteigerten Truhe, in der Pessoa seine gut 24.000 nachgelassenen Textfragmente aufbewahrte.

   Zum Zeugnis der hermetisch-okkultistischen Interessen Pessoas hat man den Boden des Hauseingangs mit der Marmorkopie eines der vielen für ihn gestellten Horoskope ge­fliest. Die Wände insbesondere im Hofbereich sind außer mit Gedichtzeilen mit den Unterschriften und Horoskopen einiger der so faszinierenden Heteronyme Pessoas sowie mit Anagrammen beschriftet, die er bei der Titelgebung für sein einziges zu Lebzeiten (1934) veröffentlichtes Buch in portugiesischer Sprache ersann, die Gedichtsammlung ‚Men­sagem’ (,Botschaft’).


In Wim Wenders' ,Lisbon Story’ (1994) lässt sich Phillip Winter von dem Jungen Sé die Zeilen übersetzen, die offenbar von Friedrich Munro an die Wand seines Schlafraums ge­schrieben wurden: „Ah não ser eu toda a gente e toda a parte” („Könnte ich doch jedermann und überall sein …”, so Sé; in einer englischen Übersetzung heißt es: „Ah if only I could be all people and all places!”). Es ist dies der Schlußvers der 1914 von Pessoa unter seinem Heteronym Álvaro de Campos veröffentlichten ,Triumph-Ode’ (,Ode Triunfal’), die seine Tendenz feiert, durch Selbstauslöschung als Individuum allumfassend und exemplarisch zu werden.

    P.S. 2017: Die von Winter und Munro bewohnten Räume haben seither eine grandiose Rückverwandlung erfahren: Nach langwieriger Restaurierung sind sie nun Bestandteil des luxuriösen Suite-Hotels Palácio Belmonte”. Es ist ein Mitte des 15. Jh. am Fuße des Castelo de São Jorge errichtetes Gebäude, das der Brasilien-Entdecker Pedro A. Cabral er­weitern ließ und das zwei Jahrhunderte später zu einem Palast ausgebaut wurde; nach seiner 1. Indienfahrt bewohnte es eine Zeitlang auch Vasco da Gama.

    Der Saal, in dem die Fado-Gruppe Madredeus” übte, ist nun als „Ballroom” ausgewiesen, der Raum mit Munros Schneidetisch heißt heute „Governor's Room” und das auf die Terrasse hinausführende letzte Zimmer mit Munros Gasherd „Music Room”.

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