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Prospekt (wohl aus den 1960er Jahren) vom Westsee in Hangzhou; im Hintergrund halbrechts das Lingyin-Kloster
Im See rechts die große Gushan-Insel mit dem Bai-Damm, und außen links (im Süden) die Insel Xiao Yingzhou mit den Steinpagoden im See
 

 


Westsee-Szenerien; oben die Leifeng-Pagode,
in der Mitte die Steinpagoden


Prospektfoto: ww.chinatouristmaps.com/assets/images/travelmapxz/Detailed-Travel-Map-of-Hangzhou-West-Lake.jpg                                         Quellen für die Fotos rechts: http://en.wikipedia.org/wiki/File:China_Hangzhou_ Westlake-8.jpg

                                                                                                                                                                www.chinahighlights.com/image/hangzhou/three-pool.gif     www.physics.fudan.edu.cn/tps/outreach/plmcn12/Hangzhou/tourism.html

 

Marco Polo, dem man am Nordostufer des Westsees (Xi Hu) eine Statue errichtet hat, wusste Ende des 13. Jh. über Hangzhou alias Qinsai und den schon damals berühmten See zu berichten:

     "Über die Stadt habe ich noch einiges zu sagen. An ihrer Südseite erstreckt sich ein See von gut dreißig Meilen Uferlänge. Rund um den See stehen prächtige Paläste und vornehme Landhäuser ...

     Viele Abteien und Heidenklöster wurden ebenfalls entlang des Ufers errichtet. Mitten im See liegen zwei Inseln; auf jeder erhebt sich ein glänzender Palast ... Wenn jemand eine Hochzeit feiern

     oder ein Gastmahl halten will, fährt er zu den Inselpalästen. An Geschirr und Geräten ist dort alles vorhanden, was es für Feste und Feiern braucht ..."2)


Heute pflegt man von drei Inseln des Westsees zu sprechen, doch zu Zeiten von Marco Polo gab es noch nicht die auf dem Prospekt außen links zu sehende "Kleine Paradiesinsel" (Xiao Yingzhou) und auch nicht die kleinere obere Insel rechts (Ruan Gong Dun). Beide Inseln wurden in dem durchschnittlich kaum 2 m tiefen See erst Anfang des 17. bzw. 19. Jh. aufgeschüttet.

    Der auf drei Seiten von Bergwäldern umgebene See wird von zwei nach chinesischen Dichtern benannten Dämmen durchschnitten, dem fast 3 km langen Su-Damm und dem kurzen zur Hauptinsel führenden Bai-Damm (unten rechts). Unsere Bootstour auf dem Hauptsee beginnt an der linken Uferseite und verläuft parallel zu dem von Weiden und Pfirsichbäumen gesäumten Su-Damm. Er wur­de im 11. Jh., als der See zu verlanden drohte, von dem Poeten und damaligen Gouverneur Su Dongpo aus dem Aushub des Sees erbaut und gewährt durch seine 6 Bogenbrückchen die Verbindung mit dem kleinen Inneren See. Die eine oder andere dieser Brücken hätten wir bei besserer Vorkenntnis schon im Sommerpalast von Beijing als landschaftsgärtnerische Kopie identifizieren kön­nen und in der Sommerresidenz von Chengde sogar den Su-Damm selber (als Vorbild für die Anlage "Graspfad und Wolkendamm").

    Auf dem motorisierten Touristenboot haben sich ungefähr 50 Passagiere eingefunden. Wir nehmen zunächst unter Deck Platz, doch stören bald die überlauten chinesischen Mikrophon-Kommentare einer anderen Reiseleiterin sowie, man glaubt es kaum, ein eingeschaltetes TV-Gerät, dessen Bildergeflimmer uns ständig vor Augen sein würde. Die meisten von uns gehen darum bald an Deck. Falls möglich, sollte man besser eines der herkömmlichen Westseeboote benutzen, die bis zu sechs Personen aufnehmen können und von dem am Heck sitzenden Bootsführer meist mit nur einem Riemen gerudert werden.

    Schon kurz nach dem Ablegen kommen wir an einer der "Zehn Ansichten des Westsees" vorbei, die man seit nahezu einem Jahrtausend mit poetischen Epitheta ausgezeichnet hat. Es sind dies die vor der "Kleinen Paradiesinsel" im See liegenden drei Steinpagoden, deren Szenerie als "Drei Teiche spiegeln der Mond" (Santan Yinyue) umschrieben wird: In die zwei Meter hohen und mit Öffnun­gen versehenen Pagoden setzt man beim Mittherbst-Mondfest Kerzen, deren Widerschein auf dem See sich wie drei Mondlichtflächen ausnehmen soll.

   Zu unserer Linken passieren wir ein hübsches Brückchen des Seedamms nach dem anderen, auch zeichnet sich in einem Bergwald dahinter das heute früh von uns besuchte Lingyin-Kloster ab. Wir fahren bis zur Hauptinsel Gu Shan, auf der sich der Reisepalast der Qing-Kaiser Kangxi und Qianlong befand. Gu Shan ist über den kurzen Bai-Damm mit dem Ostufer des Sees verbunden. Hier liegt die bekannteste der Westsee-Brücken, die "Gebrochene Brücke" (Duanqiao), die als Szenerie den Namen "Schneeschmelze an der gebrochenen Brücke" trägt. Es gibt verschiedene Auslegungen der Namensgebung, darunter die, dass der oberhalb auf dem Baoshi-Hügel stehende Betrachter nach einem Schneefall den Brückendamm wie eine weiße Kette über dem See liegen sieht und dass dann beim Schmelzen als erstes die braune Steinbrücke wie ein Bruchstück im See zum Vorschein kommt.

 

Das Boot bringt uns wieder zur Anlegestelle zurück, in deren Nähe sich die abgebildete Leifeng-Pagode erhebt, die um das Jahr 1000 erbaut und als Szenerie seit dem 13. Jh. als "Leifeng-Pagode im Abendglühen" bekannt wurde. Nach Plünderungen und Brandschatzungen im 16. und 17. Jh. verfiel sie und stürzte 1924 in sich zusammen. Auf dem Prospekt ist sie nicht zu sehen, da sie erst vor ei­nem Jahrzehnt als umstrittener Neubau mit vorgelagerter Rolltreppe und Lift wiedererrichtet wurde. Auf einem Hügel hinter ihr liegt das Jingci-Kloster, dessen Glockengeläut zu der Szenerie "Abendläuten am Nanping-Hügel" inspiriert hat.

   Unsere Bootstour ist damit schon beendet. Eigentlich müsste ein Westseeprogramm auch den Besuch der einen oder anderen Insel mit ihren Sehenswürdigkeiten beinhalten. Einige ihrer klassischen Szenerien seien hier wenigstens noch genannt: "Beschauen der Fische im Blumenhafen", "Lotospark in der Brise im verwinkelten Hof", "Herbstmond über dem stillen See" und "Die Wolken durchboh­rende Doppelspitzen".

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2)  Marco Polo, 'Die Wunder der Welt. Die Reise nach China an den Hof des Kublai Khan' (Frankfurt/Main 2003), S. 221f.

 

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