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Kamerablick auf Joe Corby, der Sintra in Richtung Hollywood verläßt (56:44)



Mafiöse Rasterhand aus Gordons Überwachungscomputer (1:12:57)


Doch schon ein relativ geringfügiges Detail wie das Autokennzeichen „SAM SP8” zielt nicht einfach auf Coppola ab, sondern ist tiefer ein­ge­las­sen in die Zeichensprache des Films. Kann man doch das Kennzeichen erst in dem Moment erkennen, als Mun­ro beim Cinerama Dome in Los Angeles los­fährt, um sei­ne Verfolger, die im Auto sein geparktes Cabriolet um­kreist hatten, abzuschütteln: Er fährt da­bei eine große 8-för­mi­ge Schlei­fe. Das ist also nicht so sehr ein Fingerzeig auf Coppola, als viel­mehr eine stilgerechte An­spie­lung auf „Sam Spade” selbst und des­sen Tricks beim Ab­schüt­teln – wo­bei man in Gestalt der 8 noch das Doppel-S der Ini­ti­a­len ver­schlungen wie­der­fin­den kann. Ähnlich in­tri­kat macht es Wim Wen­ders in sei­nem Film ,Hammett’, der, wie zu se­hen sein wird, etliche Anspielungen auf Sam Spade und des­sen Ge­gen­spie­ler in Ham­metts ,Der Mal­teser Fal­ke’ ent­hält (vor al­lem über John Hustons Ver­filmung).

   Das angesprochene Wohnmobil freilich weist stärker auf Coppola selbst hin, ist jedoch ebenfalls filmgeschichtlich aufgeladen, da Cop­po­la schon für sei­nen ersten Spielfilm ,The Rain People’ (1969) ein umgerüstetes Campingmobil (mit Schnittplatz) ein­setz­te. Eine der Haupt­fi­gu­ren, der COP (Ro­bert Du­vall), trägt den Namen GORDON und haust gleichfalls in einem Trai­ler. Und auch jenes kreuzförmige Heck des Flug­zeug­wracks wird nicht an be­lie­bi­ger Stelle zitiert, son­dern ge­gen En­de des Pas­si­ons­we­ges der Sur­viv­ors, die sich nun am Meer osten­ta­tiv da­rum grup­pie­ren. Ja, sie ze­le­brie­ren geradezu ih­re Be­rüh­run­gen dieses Flug­zeug­re­stes wie nur einst in Ku­bricks ,Odys­see 2001die Pri­ma­ten­hor­de und später die Raum­fah­rer an­ge­sichts des schwar­zen Mo­no­li­then.


Wie diese kleinen Szenen sich als überformt erweisen, so auch die Filmfiguren, die dadurch ihrer biographischen Ein­deu­tig­keit ent­ho­ben wer­den. Wenn Joe CORBY wegen des fehlenden Filmmaterials und zur Beisetzung seiner Ehefrau nach Ka­li­for­nien zu­rück­will und nun mit dem Rei­se­ge­päck durch einen Lattenzaun wie durch die Schlitzstreifen eines Zoetrops ge­filmt wird, so dürfte dies gar eine mehrfache Über­for­mung sein (56:38-57). Zu­nächst kann dies tatsächlich ein ironischer Gruß hin zu Coppolas ,Zoe­trope’-Stu­dios sein, in denen derweil Wen­ders’ Dreh­ar­bei­ten für ,Ham­mett’ auf Eis lie­gen. Zugleich scheint Wim Wen­ders wieder an Spra­che und Stil seines Kriminalautorenfilms selbst fest­zu­hal­ten, denn ein be­deut­sa­mes kryp­ti­sches Ge­stal­tungs­mit­tel von ,Ham­mett’ ist genau dieses viel­fältig (auch palmblattförmig) ab­ge­wan­del­te Strei­fen­mu­ster. Dar­über hin­aus darf man die zoe­tro­pi­sche Ra­ster­sze­ne wohl auch als ki­ne­ma­to­graphische Geste des Trostes für den Ka­me­ra­mann Jo­seph BIROC ver­ste­hen, der die er­ste ver­schol­le­ne Fas­sung von ,Ham­mett’ dreh­te.

   Eingebunden in die kryptische Zeichensprache von Wenders’ ,Stand der Dinge’ wird sogar der be­rüchtigte, scheinbar alles un­ter Kontrolle hal­ten­de Com­pu­ter, der von dem Drehbuchautor Dennis als „Gor­dons Gehirn” tituliert wird. Die in ihm ge­spei­cher­ten Stand­bilder nämlich, die Mun­ro in Gor­dons Vil­la betrachtet und ausdruckt, kommen ebenfalls in Rasterstreifen zerlegt ans Licht. Ei­nes davon ge­hört zur An­fangs­sze­ne („Sea of stones”) von ,The Sur­viv­ors’, und an­dere Bilder stammen aus dessen Vorlage, Allan Dwans Film ,The Most Dan­ger­ous Man Alive’ (1961). Zuallerletzt ent­wi­ckelt sich aus die­sen Ra­ster­strei­fen die Abbildung einer aufgelegten flachen Hand (lat. palma), die bei der hier ge­zeig­ten Film­pro­duk­ti­on an eine Ma­fia­hand und damit an Coppolas ,Der Pate’ gemahnen mag.

   Das Streifenmotiv und speziell die bis zur Klaue hin trans­for­mierbare Hand(flä­che) möch­te ich al­so im Fol­gen­den als das kryptische Leitsymbol auch von ,Der Stand der Din­ge’ genauer iden­ti­fi­zie­ren.

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