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Munros Blick auf sein Cabrio, das soeben umkreist wird (1:26:57)



Weitere Vorboten für den jetzt todmüden Munro (1:30:22)


Wie Munro das geschätzte Buch so innig an sich drückt, deutet schon auf sein Ende hin, den tödlichen Schuß direkt ins Herz. In der nachfolgenden Sturm­nacht streift er mit den Fingern behutsam an einer Kinderzeichnung entlang, die ein Herz im Herzen zeigt; und fährt erneut über sei­ne Herz­ge­gend hin, wenn er drü­ben Gor­don ge­ste­hen muß, daß sein eigener In­sze­nie­rungs­stil mittlerweile zur Routine erstarrt sei: „Jetzt weiß ich, wie das Er­zäh­len geht. Un­wei­ger­lich läuft den Ge­schich­ten das Le­ben aus, und sie sind tot. Unweigerlich tot.” (1:49:36-1:50:39) Zu die­sen und wei­te­ren Zei­chen des Scheiterns und Un­ter­gangs ge­hö­ren auch Annas Ver­hän­gen des Spie­gels, der nächt­li­che Anblick des riesigen Ho­tel­schwimm­bads, an dessen Flan­ke wie­der einmal ein Bre­cher her­ein­schlägt, oder Mun­ros Me­ta­pher: „Die Son­ne sah ich sinken – wie ein Schiff”. Und ebenso der jäm­mer­lich­ste, um so tiefer berührende An­blick ei­nes Flug­zeugs bei Wim Wen­ders: ein Nacht­flug­zeug mit Mun­ro an Bord, das ne­ben der Mon­dsi­chel win­zig wie nur ein In­sekt sich am Bil­drand da­von­macht (1:24:­08-14).


III.  Interludium am Hollywood Boulevard


In Los Angeles hat Munro seinen Mietwagen in einer strei­fen­för­mig mar­kier­ten Park­bucht vor dem Hochhaus mit Gordons Büro abgestellt. Im Gespräch mit dessen Sekretärin beobachtet er von oben, wie sein Wagen von einem Cabrio umkreist wird und schüttelt die Verfolger danach durch jene raffinierte Ach­ter­schlau­fe ab.

   Wenig später inszeniert Wim Wenders ei­ne der film­ge­schicht­lich sub­tilsten Se­quen­zen für jemandes To­desver­fal­len­heit. Die Szenerie liegt beim Hol­ly­wood Bou­le­vard, „nur ei­ne Autostunde ent­fernt ... von dem Ort, an dem Murnau zu Tode gekommen ist”, wie Wenders dies selber ein­mal kom­men­tier­te.5) Fried­rich alias „Fritz” Munro hat sich auf dem Parkplatz bei der Kreuzung von Hol­ly­wood Boulevard und Vine Street mit Dennis’ Freundin ver­ab­re­de­t und tritt vom Münz­te­le­fon ei­nige Schritte zurück auf den „Walk of Fame”: Wie er bemerkt, ist er auf den wie in ein Grab­mo­nu­ment ein­ge­las­se­nen fünf­za­cki­gen Re­gis­seurs-Stern sei­nes zweiten Na­mens­vet­ters getreten, sei­nes in Hol­lywood künst­le­risch weithin auf­ge­rie­be­nen Vor­gän­gers Fritz Lang.

    Nach dem Umschnitt blickt die Kamera vom Auto des Wartenden hinaus zu ei­nem Mäd­chen hinüber, das zwischen den Parkstreifen auf Roll­schuh­spit­zen rück­wärts ein­her­tän­zelt; mit seinem Zopf und flat­tern­den wei­ßen Schal erinnert es so­wohl an Munros Toch­ter Ju­lia in ,The Survivors’ als auch an Deb­bie in John Fords ,The Search­ers’. Von Beginn dieser Szene an ist ein Glo­cken­spiel mit dem Big-Ben-Mo­tiv zu hören und im lin­ken Rück­spiegel sei­nes Au­tos der obe­re kreuzförmige Teil ei­nes Te­le­gra­phen­ma­stes zu sehen. Der Ge­gen­schuß auf Mun­ro zeigt, daß er die Au­gen kaum noch auf­zu­hal­ten ver­mag und daß sein Kopf dann beim letz­ten Schlag des Glo­cken­spiels zu­rück ge­gen die Leh­ne fällt. Als Dennis‘ Freundin an den im Cabrio Hingesunkenen her­an­fährt, zeichnen sich im Hin­ter­grund die­ser To­ta­len die Stechpalmen-Hügel mit dem bekannten Schriftzug HOLLYWOOD ab.

 

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