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VI GERMANISTICA



William FOX verabschiedet Friedrich Wilhelm MURNAU im März 1927
nach den Dreharbeiten an SUNRISE



Das großartige Ergebnis dieser Zusammenarbeit: SUNRISE
(uraufgeführt im September 1927 im Times Square Theatre von New York)

Fotoquelle: www.jstor.org/stable/3815442?read-now=1&refreqid=excelsior%3A4c3ad06e220f8b90f1762e9151f5ff8b&seq=6#page_scan_tab_contents


Die Möglichkeit einer Rückkehr in den Zeitraum der Vergangenheit dementierte Wim Wenders schon in ,Alice in den Städten’ (1974). Hier läßt sich das Haus der Oma” zwar noch aufspüren, wird aber längst von Fremden bewohnt. Wie unwiederbringlich der Verlust ist, offenbart die im Gei­ste von Nicholas Rays ,The Lusty Men’ gedrehte Episode in ,Im Lauf der Zeit’ (1976), als Bruno Winter auf einer Rheininsel bei Bacharach im ver­wai­sten Haus der Mutter noch einmal eine schmerzliche Nacht verbringt. Daß „Zuhause” eine widerrufliche und womöglich kurzfristige Le­bens­kon­stel­la­ti­on ist, dämmert im ,Stand der Dinge’ Munros Kindern, die sich vorzustellen suchen, was sie wohl nach dem Tod des Vaters täten („wo­an­ders hinziehen”). Die Selbstironie der mobilen Filmschauspielerin Joan („Zuhause ist da, wo die Rechnungen ankommen”) wird in kos­mo­po­li­ti­scher Einstellung von Munro überboten, der in Los Angeles am Telefon erklärt: „Ich bin nirgendwo zuhause, in keiner Stadt, keinem Land”. Wie Wenders in seiner Dankesrede für den Murnau-Preis 1991 erwähnt,12) ist dies ein Zitat, eine auf Tahiti niedergeschriebene Notiz von Friedrich Murnau, dessen Namen ja Munro als Anagramm trägt.


VI. Film und Erzählen vonGeschichten


Diese für Munro längst illusorische Sehnsucht nach einem unschuldigen Konformismus, nach Geborgenheit und solidarischem Schutz vor dem Le­ben draußen hat allerdings auf verkappte Weise bei seinem Gegenspieler Gordon und dessen Auftraggebern überlebt. Sie verlangen von ihm ei­ne einfache sinnstiftende „Geschichte”, obgleich es so etwas im Leben nicht geben könne. Dies hatte schon Munro in seiner Ansprache vor der Crew klargemacht: „Geschichten existieren gar nicht, außer in Geschichten selbst. Im Leben ist es völlig Wurscht – und ich zitiere mich selbst –, ob es vergeht und dabei zu Geschichten wird, oder nicht ... Während das Leben vorbeigeht, im Laufe der Zeit, ohne den Drang, Geschichten zu wer­den ...” (31:36-32:17) Anna, deren freie Wiedergabe seines Ausspruchs auf einer Serviette zu lesen ist, setzt diesen Gedanken in derselben Nacht gegen ihren Geliebten Mark als Déjà-vu-Umschreibung ein („was eine Geschichte mit dir wäre, weiß ich schon”).


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