Home
Impressum
RUTH FLEIGS GALERIE
Schulkinder malen
Bilderbuch Rob. Rabe
Kritzel-Kratzel
HORST FLEIGS TEXTE:
I  Philosophica
II  Reiseberichte
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
Filme im Unterricht
Wochenschauen
Vorfilme, Vorschauen
Mein Lieblingskino
Tarzan & Co
Odysseus' Fahrten
Deutscher Kriegsfilm
V Mitschüler/Schulen
VI GERMANISTICA



Odysseus, den Sirenen lauschend



Blendung des Polyphem

Diese Lieblingsfilme meiner späten Kindheit behandeln also nicht beliebige Rachehandlungen, sondern kreisen thematisch um eine bedrohte, verratene oder sonst wie vernichtete Liebe. Für Uncas ist dieses Doppelmotiv noch aufgespalten in die unmögliche, von ihm zu unterdrückende Beziehung zu Cora sowie in Chingachgooks Rache für seinen Untergang oder Liebestod. Die erotische Grundierung auch von Dantès’ Rache ist unverkennbar, doch längst nicht so subtil wie die von Athos, der, um die Treulosigkeit seiner Frau zu bestrafen, sich ihrer weiteren Verbrechen bedient, die auch in den Augen der anderen keine Verzeihung mehr erlauben. Die entsprechende Lesart für Odysseus nun wäre die archetypische Angst vor dem immer drohenden Verlust der Ge­lieb­ten an müßiggehende „Freier” – was nur durch ein ebenso starkes hohes Gegenbild zu bannen wäre, wie es die Penelope des nachfolgenden Films ist.



DIE FAHRTEN DES ODYSSEUS’


Obgleich ich Odysseus’ Geschichte schon im 2. Schuljahr kennenlernte, werde ich von diesem Farbfilm, den ich um 1955 als ungefähr Zehnjähriger sehe, doch gewaltig aufgewühlt:

   Wunderschön die blasse, im Profil so feine Penelope (Silvana Mangano), die unter Tränen tapfer und klug warten kann. Denke ich an Odysseus (Kirk Douglas), sehe ich ihn zunächst angebunden am Schiffsmast dastehen, bis die Sirenen undeutlich links(?) im Hintergrund erscheinen. Grässlich, wie der einäugige Polyphem sich einen der Gefährten des Odysseus greift und ihn auffrisst – stopft er ihn sich nicht ins Maul? Singend zerstampfen die in der Höhle Gefangenen für ihn die Trauben. Odysseus spricht den Riesen, gesehen aus dessen Perspektive, gebückt und bemüht demütig an. Der Pfahl wird zu seiner Blendung angeglüht; brüllend läuft dann der aus dem Auge blutende(?) Polyphem umher, tastet die Ecken der Höhle ab und zuletzt auch die Scha­fe, unter denen die Männer angeklammert hängen. Von oben her wirft er einen Felsbrocken auf das Schiff, hoch spritzt die See.

    Als das Schiff in tosender See zu kentern droht, ist inmitten der Panik unter aufzuckenden Blitzen(?) eine maskenhaft starre grüne Poseidon-Statue zu sehen. In Lumpen umschleicht König Odysseus den eigenen Palast und scheint sich an ein Feuer hinzuhocken. Bis er endlich den mächtigen Bogen span­nen kann, einen Pfeil durch die Schaftlöcher der hintereinander gestellten Äxte schießt und gleich danach entschlossen die Tore verrammelt, um Freier für Freier zu erlegen!

- 25 -

Zurück


Weiter
Top
http://www.fleig-fleig.de/