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Unten: Die imposanten Ruinen des El-Badi-Palastes; im Hintergrund der Hohe Atlas


Im Bahia-Palast; oben der Haremshof im 'Gro├čen Riad' und unten links der Innenhof des 'Kleinen Riad'

Quellen: http://4.bp.blogspot.com/-xcLVm9IRw9s/T9CygLnr-xI/AAAAAAAAAKw/r3mtiZOFFuA/s1600/Marrakesh.jpg   www.cntravelre.com/picture/IMG-El-Badi-Palace-98.jpg https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/03/Palais_Bahia­_%28The_Bahia_­Palace%29_­%2873­461­81900%­29.jpg?uselang=fr   http://img.over-blog-kiwi.com/0/93/51/96/20140807/ob_d92a72_palais-bahia5.JPG https://farm3.staticflickr.com/2798/4295301368_ba06e0301e_b.jpg


Als wir am nahgelegenen
Palast El Badi ('Der Unvergeichliche') eintreffen, werden gerade rote Teppiche eingerollt und Pflan­zen­kü­bel wegge­tra­gen: Nach einer größeren Veranstaltung bleibt der Palast für heute ge­schlos­sen. Wie fast alle Bauten der Saadier hatte einst jener Alawiden-Sultan Moulay Ismail den El-Badi-Palast zur Plünderung und Zerstörung freigegeben und das Baumaterial für seine Residenz in der neuen Haupt­stadt Mek­nès abtragen lassen. Mit ihrem Mauerwerk und einem 90 x 20 Meter großen Wasserbecken sollen die Ruinen der Palastanlage immer noch beeindruckend sein, doch können wir nur ein Stück weit an der mäch­ti­gen Au­ßen­mau­er entlang spazieren. Wie schon das Stadttor Bab Agnaou ist sie mit etlichen Storchennestern be­setzt. Störche galten auch in Marokko als heilige Tiere, in denen man mitunter wie in Wil­helm Hauffs 'Ka­lif Storch' („mutabor!”) verzauberte Menschen sah. In Marrakech gab es in ei­ner Ka­ra­wan­se­rei sogar ein kleines Hospital für Störche, das heutige Kulturzentrum
'Dar Bellarj' ('Stor­chen­haus').


In einer Pferdekutsche lassen wir uns dann zur „Place des Ferblantiers” bringen, dem Platz der Blech- oder vielmehr Kunstschmiede. In diesem Souk werden auch Kupfer-, Sil­ber- oder Zinnwaren angeboten, Schüs­seln und Töpfe, Laternen, Türbeschläge und Ker­zen­ständer. In einem dortigen Straßencafé legen wir eine Teepause ein und ge­hen dann hin­über zu dem ausnahmsweise einmal gut ausgeschilderten Palast Ba­hia ('Die Strah­len­de'). Durch ein recht un­scheinbares Portal treten wir in den üp­pig be­pflanz­ten länglichen Vorhof ein.

   Erbauen ließen den Doppelpalast in den 1860er und dann in den 90er Jahren die Groß­we­si­re Si Moussa und dessen Sohn Bou Ahmed; beide Gebäude sollten den an­da­lu­si­schen Palästen nacheifern, doch macht ein Ver­gleich mit jenen Pa­last­kom­ple­xen des 11. bis 14. Jh. wenig Sinn. Zwar finden sich auch hier so ziem­lich al­le architektonischen Details insbesondere der Nasriden-Paläste wieder: Huf­ei­sen­bo­gen in Al­fiz-Rah­mung, das Sta­lak­tit­de­kor der wabenartigen Muqarnas, Ke­ra­mik­flie­sen und mit Azu­le­jo­ka­cheln ver­klei­de­te Wandsockel, Gips­stu­cka­tu­ren, be­mal­te Ze­dern­holz­de­cken und Kuppeln mit Sternornamentik, Git­ter­werk­fen­ster, die ab­strakt-ge­o­me­tri­schen Pfla­nzen­mu­ster (Atau­riques), Arkadengänge mit Halb­kreis­bo­gen oder orangen- und bananenbestandene In­nenhöfe und -gärten mit Marmorbrunnen. Es fehlt aber die ästhe­ti­sche Klar­heit und Aus­ge­wo­gen­heit, da Bou Ahmed sei­nen „Klei­nen Ri­ad” architektonisch nicht auf den 'Gro­ßen Ri­ad' seines Vaters abstimmte und ihn offenbar additiv zu über­trump­fen such­te. Angesichts eines fehlenden Zentrums und der überladenen, kaum ei­nen Qua­drat­zen­ti­me­ter frei lassenden und streckenweise an­ge­be­ri­schen D­ekors kann man zu­nehm­end unmutig werden.


Der abgebildete kleine Innenhof mit seinem Springbrunnen und Gartentrakt freilich ist eine Labsal; einer der ihn umgebenden Säle diente Bou Ahmed als Empfangs- und Beratungssaal. Dann aber führen Dut­zen­de von Räumen, Galerien und Patios ohne nennenswerte Sichtachsen ineinander über. – Wesentlich bescheidener ist der dahinter gelegene 'Große Riad' oder 'Dar Si Moussa'. Seinen mit marokkanischen Zellig-Kacheln aus­ge­leg­ten rie­si­gen In­nen­hof hatte erst Bou Ahmed hinzufügen lassen. Die muschelgleich gerippte Brunnenschale ist sicherlich auch eine Reminiszenz an die Alhambra, doch vermißt man bei dieser Erinnerung so­gleich ein größeres belebendes Was­ser­be­cken wie im dortigen Myr­ten­hof oder auch Was­ser­ka­nä­le wie im Löwenhof.

   Bou Ahmed hatte 1894 durch eine Intrige den designierten Thronnachfolger zugunsten eines 14-Jährigen ersetzt und danach selber das Regiment ergriffen. Seine brutale Herrschaft – er ließ etwa die gepökelten Köp­fe der Anführer eines Ber­ber­auf­stan­des an Mauerzinnen anbringen – trug wesentlich zum machtpolitischen Niedergang Marokkos bei. Als das Land 1912 französisches Protektorat wurde, machte der bis 1925 am­tie­ren­de Generalresident H. Lyautey den 'Klei­nen Ri­ad' zu seiner Residenz und ließ hier bald Kamine sowie Elektroinstallationen einbauen (und suchte überhaupt Marokko in europäischer Manier zu mo­der­ni­sie­ren).


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