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Im 1557 errichteten jüdischen Viertel Mellah; links eine ehemalige Synagoge



In der Mellah; rechts während der gegenwärtigen Restaurationsphase (Photo von Anfang 2016)
Quellen: http://cdn.timesofisrael.com/uploads/2014/03/DSC_7451.jpg    http://2.bp.blogspot.com/-Yw2l1NVZHP8/TY4z-_puy3I/AAAAAAAAABU/KVnCEYz6NI8/s1600/Marrakech%2BMar%25C3%25A7o%2B2011%2B091.JPG   http://static.panoramio.com/photos/original/1167278.jpg

http://p8.storage.canalblog.com/82/49/1394830/109600033_o.jpg

 
Nach der Besichtigung des Bahia-Palastes gehen wir nun in die angrenzende Mellah hinüber, das ehemalige jüdische Viertel von Marrakech. 'Mellah' bedeutet im Arabischen „Salz” und war auch die Bezeichnung für das er­ste Ghet­to in Fès, das 1438 entweder auf salzhaltigem Boden oder im Gebiet der Salzhändler angelegt wurde. Nach abwegige­ren Lesarten geht der Name darauf zurück, daß die Juden ein Salzmonopol besessen hätten oder gar die ab­ge­schla­ge­nen Köpfe der Hingerichteten durch Salzpökelung hätten konservieren müssen. Im 15. Jh. bezeichnete 'Mellah' jedenfalls das in Marokko der jüdischen Bevölkerung vorbehaltene Stadtviertel; gleich nach Gra­na­das Fall 1492 ließ die spanische Inquisition hunderttausende Juden aus Andalusien vertreiben, von denen viele in Marokko Zuflucht suchten. Die Mellahs wurden mit eigenen Stadttoren zum Schutz vor Übergriffen der mus­li­mi­schen Be­völkerung in un­mit­tel­ba­rer Nähe der Paläste und Residenzen angelegt und hatten in der Regel eine relativ autonome eigene Verwaltung. Anders als in den europäischen Ghettos lebten auch viele Muslims in den Mel­lahs.

   Heute, so erzählt man uns in der Mellah, wohnen hier kaum mehr als eine Handvoll Juden und in Marrakech überhaupt vielleicht 150, und zwar überwiegend in dem 1912 von den Franzosen angelegten Viertel 'Ville Nouvelle'. Zu Beginn des 1. Weltkriegs lebten in dem übervölkerten Quartier ungefähr 13.000 jüdische Bürger; wie die meisten marokkanischen Juden wanderten auch die aus Marrakech nach Gründung des Staates Israel 1948 dorthin aus. Elias Canetti, Nachfahre der von den Katholischen Königen aus Andalusien vertriebenen Se­phar­dim, hielt sich 1954 einige Wochen in Marrakech auf und schreibt in dem Buchkapitel 'Besuch in der Mellah':


      „Es gab Gesichter, die ich in anderer Kleidung für Araber gehalten hätte. Es gab leuchtende alte Juden von Rembrandt. Es gab katholische Priester von listiger Stille und Demut. Es gab Ewige Juden, denen die Unruhe über die
      ganze Gestalt geschrieben war … Ich dachte an Seelenwanderung ... Ich spürte, wie alles ärmer wurde, je tiefer ich in die Mellah eindrang …  Ich möchte nicht mehr weg von hier, vor Hunderten von Jahren war ich hier gewe-
      sen, aber ich hatte es ver­ges­sen und nun kam mir alles wieder.” In: „Die Stimmen von Marrakesch. Aufzeichnungen nach einer Reise” (München und Wien 1988, S. 43-48.; Erstveröffentlichung 1967).


Uns fallen in der Mellah bald die vielen Außenbalkone und Gitterfenster auf, die es in den muslimisch geprägten Vierteln so nicht gibt und die vor allem auf den Haustypus in andalusischen Juderías wie in Córdoba zurückgehen dürf­ten. Viele Ge­bäu­de befinden sich gegenwärtg in einem erbarmungswürdigen Zustand. Doch sehen wir schon die ersten Ergebnisse des ehrgeizigen Restaurierungsprogramm für die Mellah, das Staat und Kommune 2014/15 auf­leg­ten und das sich auf öf­fent­li­che Plätze, Passagen, Fondouks und einzelne Häuser konzentriert. Kritische Stimmen verweisen freilich auf eine mitunter zu starke Rücksichtnahme auf den Geschmack der Touristen. Die Im­mo­bi­li­en­branche scheint nun eben­falls ver­stärkt jüngst sanierte Riads anzubieten, in der Regel in EURO statt in DIRHAM.


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