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Das Herz der 1290 gegründeten Universität Coimbra: Rechts der Seitenflügel mit der „Porta Férrea”, hinter dem Säulengang im Nordtrakt rechts das Rektorat und links der Zeremonialsaal (einst der Thronsaal); im Westtrakt neben dem Glockenturm das breite Portal der Kapelle und daneben die Bibliothek


Rechts: Coimbras Biblioteca Joãnina; der Zentralgang führt auf das Porträt ihres Stifters König D. João V zu.


Quellen: https://pt.wikipedia.org/wiki/Pa%C3%A7o_das_Escolas#/media/File:Pa%C3%A7o_das_Escolas_Universidade_de_Coimbra_IMG_0287.JPG    http://3.bp.blogspot.com/-WffmcH8HC9o/UySa-6kZYcI/AAAAAAAAJQs/fBoR2VCJiwo/s1600/Biblio1.jpg

So. 22.8.99:

An der Frühstückstafel in Gradil stellt sich uns lautstark eine deutsche Person als „Großmutter meines Enkelkinds” vor und beginnt so­gleich über den Mangel an Re­stau­rants im Dorf Gradil zu kla­gen. – Wir machen uns dann auf den gut 200 km weiten Weg nach Coimbra, was wegen der von uns bevorzugten Landstraßen über zwei­ein­halb Stun­den dauert. Dabei kommen wir an vie­len neuen Sied­lun­gen vorbei, und überhaupt scheint zu­min­dest dieser Landstrich Por­tu­gals sich im letzten Jahrzehnt wirt­schaft­lich gut er­holt zu ha­ben. Freilich gewiß auch auf Kosten etlicher hergebrachter Eigentümlichkeiten und Berufsgruppen, so fin­det man hier und an­dern­orts kaum noch Bau­ern mit Schlä­ger­müt­zen, nicht zu re­den von den Scherenschleifern, Waschfrauen und Schuh­putz­vir­tu­o­sen, die noch vor we­ni­gen Jahren in Wen­ders' ,Lisbon Sto­ry’ (1994) zu se­hen wa­ren.
   Als wir den Rio Mondego in Coimbra überqueren, zeichnet sich auf dem höchsten Punkt der Stadt schon unser Hauptziel ab, die
altehrwürdige Universität mit dem mar­kan­ten Glockenturm der Universitätskapelle. Auf dem Weg dorthin durchlaufen wir noch andere Bereiche der Altstadt und registrieren, daß hier bei der Sanierung doch noch ei­ni­ges zu tun ist. Einen wenig angenehmen Eindruck machen die Fakultätsgebäude für Me­di­zin und Na­tur­wis­sen­schaften; erstellt wurden diese Betonschachteln erst un­ter Sa­la­zar, der hier einst eine Professur für Wirtschafts- und Finanzwissenschaften innehatte. Gleich hinter ihnen gelangen wir durch das ba­ro­cke Eiserne Tor” (Porta Férrea”) zu Coimbras Ju­wel, dem auf einer Pa­last­ter­ras­se lie­gen­den alten Uni­ver­si­täts­gebäude. Als Institution wechselte die Universität in den ersten Jahrhunderten mehrmals den Stand­ort; in Lis­sa­bon ge­grün­det, wur­de sie zwei­mal wie­der dorthin zurückverlegt und blieb erst gegen Mitte des 16. Jh. endgültig in Coimbra.

   Diese im Palastbezirk des ersten portugiesischen Königs eingerichteten Gebäude liegen über den Resten einer Maurenfestung und eines römischen Ka­stells. Welch herr­li­che Aus­sicht über die Stadt und den Rio Mon­de­go – und welch einen Anblick bietet der in U-Form um den groß­zü­gi­gen Innenhof „Pátio das Escolas” angelegte Trakt dar! Im oben ab­ge­bil­de­ten Säulengang der „Via Latina” durfte einst angeblich nur La­tei­nisch ge­spro­chen werden. Die Uhr des angrenzende Glockenturms geht gegenüber der Ortszeit eine Viertelstunde nach (das akademische Viertel); der Turm ist ein Anbau aus dem frühen 18. Jh.; ei­ne sei­ner Glo­cken, die zu Be­ginn und Ende der Vorlesungen geläutet wurde und zeitweise auch die Sperrstunde für Studenten verkündete, hat wegen ihres als Gemecker ge­deu­te­ten Klangs im­mer noch den Spitznamen „Ziege” („ca­bra”).


Der Marquês de Pombal, der wie wahrscheinlich auch Luís de Ca­mões einst hier stu­diert hatte, ließ nach seiner Entmachtung der Jesuiten für diese Universität Na­tur­ge­schich­te als neues Stu­dien­fach ein­füh­ren und die Bi­bli­o­thek im großen Stil entsprechend erweitern. Wir schließen uns der Schlange der vor dem Gebäude Wartenden an. Un­ser Führer wechselt stän­dig vom Por­tu­gie­si­schen ins Fran­zö­si­sche und Italienische, gleichwohl sind ei­ni­ge Besucher ent­rü­stet, weil sie kei­ne Er­läu­te­run­gen in eng­li­scher Spra­che er­hal­ten. Die Bücherregale in den drei Sälen verlaufen wie bei der Palastbibliothek von Mafra über zwei Etagen hin, und wie dort hält man sich zum Schutz der kost­ba­ren Bü­cher vor Insekten eine Kolonie von Fledermäusen. Störend für einen Bücherfreund, ja schon ungehörig ist die pom­pö­se Ausstattung mit operesk-allegorischen De­cken­ma­le­rei­en und Re­ga­len mit ver­gol­de­tem Schnitz­werk aus Rosen- und Ebenholz. In den Lesesälen dufte nicht gesprochen werden; zur Bestellung der ge­wünsch­ten Bü­cher standen ein Tintenfaß und ein Glöckchen zum Her­bei­ru­fen des Bi­bli­o­the­kars be­reit. In einem der Untergeschosse befand sich noch der Karzer der Universität.

   Wir schauen uns auch die an­gren­zen­de barocke Uni­ver­sitätskapelle an. Ebenfalls prunkvoll über alle Maßen sind ihr manuelinisches Portal und die mit gemalten Chinoiserien de­ko­rier­te Orgel. Unser für die Kapelle zu­stän­di­ge Führer betonte übrigens wie­der­holt, daß es die tra­di­tio­nel­le Ver­schrän­kung von Kirche und Universität schon längst nicht mehr gäbe.


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