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Unsere verschlungenen weiteren Hauptstationen von Gradil aus: Nach Ericeira über Mafra; von Gradil nach Sintra und Cascais sowie nach Cabo da Roca; von Gradil nach Coimbra und zurück über Fatima
 

Die poetische Orientierungstafel bei CABO DA ROCA
Darunter eine in französischer Sprache kommentierte Zeichnung von „filtil”

 

Quellen: https://maps.google.de/maps?q=Portugal  http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cabo_da_Roca.jpg 

http://1.bp.blogspot.com/-IkdRl8D2DTY/UTjJXA37i4I/AAAAAAAAAng/g_gHt69oh8o/s1600/800px-Capuchos_3%5B1%5D.jpg

Sa. 21.8.99:

Beim Frühstück an einer für zwölf Personen gedeckten Tafel sind wir noch die einzigen, da wir schon relativ früh zu dem eine halbe Au­to­stun­de ent­fern­ten Sintra (15) auf­bre­chen wollen. Dort besorge ich mir zunächst ein Mittel gegen eine Bron­chi­tis, die ich mir tags vor der Ab­rei­se bei einem hef­ti­gen über­ra­schen­den Re­gen­guß in Tü­bin­gen holte und die bei den ständigen und öfter böigen Winden um Lissabons Hügel nicht recht ab­klin­gen konnte. Sin­tras In­nen­stadt macht hier einen et­was ver­nach­läs­sig­ten Ein­druck, so daß wir bald weiter durch die umliegenden Wäl­der bis zur At­lan­tikküste fahren, wo ich nach der Hotelruine in Wim Wenders' Film ,Der Stand der Dinge’ (1982) Aus­schau hal­te. Zwei-, drei­mal scheint sie sich abzuzeichnen, doch beim Näherkommen bestätigt sich dies nicht. So fahren wir auf der Kü­stenstraße eine gute hal­be Stunde immer weiter südlich bis Cas­cais, streckenweise kaum einen Steinwurf neben dem Atlantik. In Cascais wende ich bald; womög­lich war ich vorher an der Kü­ste zu früh südlich vor dem Schauplatz des Films abgebogen. Wir wol­len es deshalb über­mor­gen bei un­­se­­rem oh­ne­hin ge­plan­ten zwei­ten Sin­tra-Be­such erneut ver­su­chen. – In einem der Küstendörfer inspizieren wir noch ei­ne Hum­mer­fang-An­lage. Es sind dies hier in die Strandfelsen ein­be­to­nier­te Kä­sten mit schlitz­ar­ti­gen Zu­gän­gen, die von den Tie­ren offenbar nur bei Flut durchklettert wer­den kön­nen.

 

Wir fahren also zurück und steuern als nächstes die 140 Meter hohen Klippen von Cabo da Roca am west­lich­sten Punkt des europäischen Festlandes an. Im Getöse von Bran­dung und Sturmesbrausen sitzen wir eine Zeitlang bei Meeresblick mit zerzaustem Haar auf einer Randmauer der Steilküste da. Auf den Pfaden ent­lang des Kaps hal­ten wir uns dann ziemlich brav diesseits der Umzäunungen – anders als ein polnisches Ehepaar, das 2014 für ein Selfie im Angesicht seiner beiden Kinder den fa­ta­len Schritt zu weit nach hin­ten mach­te … Wie die anderen Besucher begeben auch wir uns schließlich zu dem hohen Pfeiler, dessen Steintafel die geographischen Ko­or­di­na­ten und dar­über Ver­se aus dem 3. Gesang (III 20) von Luís de Ca­mões’ Na­ti­o­nal­epos ,Os Lusíadas’/,Die Lu­sia­den’ (1572) aufweist:

Aqui… /Onde a terra se acaba e o mar começa”

                                                                                                                          („Hier .../ Wo die Erde endet/ Und das Meer be­ginnt)”. 

 

Geographisch wäre dies eine triviale und gar prä­ko­lum­bi­sch klingende Aussage. Auch wenn bei Camões Sintras Höhenzug der letzte wehmütig erinnerte Anblick der unter Vas­co da Gama gen Indien Absegelnden ist (V 3), beziehen sich die zitierten Verse doch nicht auf Sintra oder Cabo da Roco, wie viele meinen, viel­mehr auf Por­tugals (Lu­si­ta­ni­ens) Lage in Europa. Und damit speziell auf Portugal als Aus­gangs­land der großen Entdeckungs- und Eroberungsfahrten wie der jetzigen, an der Camões selber als Sol­dat teil­nahm. „Das Meer” ist in­so­fern als eine herausfordernde, me­ta­phy­sisch unbekannte Größe zu verstehen.

 

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