Home
Impressum
RUTH FLEIGS GALERIE
Schulkinder malen
Bilderbuch Rob. Rabe
Kritzel-Kratzel
HORST FLEIGS TEXTE:
I  Philosophica
II  Reiseberichte
China Okt. 2011
Finnland Sept. 08
Andalusien Sept. 06
Kreta Aug. 05
Sizilien Aug. 03
Griechenland Aug. 01
Ithaka-Peloponnes 97
USA: 1980+1990+2000
Städtetrips:
Marrakech 2015
Davos/Sils 07
Prag Juni 06
Lissabon/Sintra 99
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
VI GERMANISTICA



'La Zisa' in Palermo, Sommerresidenz der Normannenkönige; Blick von den Wasserkaskaden auf die mit Blendbögen verzierte Fassade; an den Außenseiten die Luftschächte



'La Zisa': Der Audienzsaal mit Wasserkanal, Goldgrundmosaiken und Muqarna-Dekor
Rechts aus dem dortigen Museum für Islamische Kunst ein Fenstergitter (oben) und die viersprachige Grabtafel

Quellen: http://ekladata.com/DjE4eGUApjDVgSUBB--xNs_p3BM.jpg   http://amarisla.com/itinerario-arabo-normanno-zisa-cuba/   www.youtube.com/watch?v=HTl2D9bPCFI

Sa. 23.8.2003:

Wir nutzen heute wieder den Mietwagen und fahren von Monreale auf zuletzt verschlungenen Wegstrecken zur Som­mer­re­si­denz der Nor­man­nen­kö­ni­ge ,La Zi­sa’ (arabisch ,Die Glanz­vol­le’), die um 1164 bis 1180 unter Wilhelm I. und Wil­helm II. aus dem Hause Hauteville erbaut wurde. Der dreigeschossige Kubusbau ist nur anderthalb Kilometer von dem nur wenige Jahre zuvor fertiggestellten Nor­man­nen­pa­last entfernt und liegt nicht einmal näher zum Meer hin, wurde al­ler­dings für die Hit­ze­monate mit architektonischer Raffinesse eingerichtet. Ein gro­ßes den Mee­res­win­den zu­ge­kehr­tes Was­ser­be­cken trägt die so befeuchtete Luft zum Palast hinüber, dessen Schmal­sei­ten hervorspringende Luft­schäch­te auf­wei­sen. Überdies haben die ara­bi­schen Ar­chitekten das Gebäude mit einer komplexen Be­wäs­se­rungs- und Luftbefeuchtungsanlage ausgestattet. Die sechs Gemächer pflegte man au­ßer­dem je nach Son­nen­stand zu wech­seln oder sich durch Fenstergitter (Maschrabiyyas) gegen Sonneneinstrahlung zu schützen.

   Im Zentrum der Anlage befindet sich der große zweistöckige Audienz- und Festsaal (alias ,Sala della Fontana’). Hinter seiner Stirnwand verbarg sich ein Brunnen, dessen Wasser zur Raumkühlung über die ab­ge­schräg­te Mar­mor­wand in zwei Becken hinunterrann und weiter zu den Gartenanlagen mit einem Fischteich geleitet wurde. Auch soll man die Wasserkanäle dazu ge­nutzt ha­ben, diverse Güter wie etwa Weinflaschen innerhalb des Pa­la­stes wei­ter­zu­be­för­dern. – Bei unserem Besuch werden soeben einige Abschnitte des Kanalsystems re­stau­riert.

   Der Palast lag einst in einem großen Wald- und Jagdgebiet, von dem sich nur noch die umgebende Parkanlage erhalten hat. Auch vom architektonischen Schmuck und der Aus­stat­tung ist vieles verlorengegangen, ins­be­son­de­re ein Großteil der Fresken und des Muqarna-De­kors sowie ein kufischer Schriftfries, der in späterer Zeit zugunsten einer Bewehrung mit Zinnen abgetragen wurde. Freilich sind die in den 1970er Jahren auf­ge­nom­me­nen Restaurationen noch nicht abgeschlossen. Vielleicht lässt sich sogar die ,Sala del­la Fon­ta­na’ mithilfe einer künstlichen Quelle neu beleben. Die Gold­grund­mosa­i­ke über der Wassertreppe mit den Jagdszenen und un­ter Pal­men wei­len­den Pfauen ähneln übrigens frappierend denen, die wir gestern im ,Saal Ro­gers II.’ des Nor­man­nen­pa­la­stes sahen. Wie diese Mosaike in der byzantinischen Kunsttradition stehen, so beziehen sich die ko­rin­thi­schen Marmorsäulen neben der Wassertreppe sowie ein Freskenmedaillon mit dem olym­pi­schen Göt­ter­kreis auf die Antike und je­nes verschwundene kufische Schriftband auf die islamische Kalligraphie.

   Das 2. Stockwerk besaß ursprünglich ein offenes Atrium mit Regenwasserbecken und war mit den Privatgemächern verbunden. In verschiedenen Räumen des Palastes hat man jüngst Palermos Museum für Islamische Kunst eingerichtet. Unter den bis ins 12. Jh. reichenden Exponaten stellt es unter anderem holzgeschnitzte Paravents (,Musciarabia’) und die Mar­mor­grabtafel aus, deren griechisches Kreuz von Inschriften in hebräischer, by­zan­ti­nisch-griechischer, la­tei­ni­scher und arabischer Schrift umfasst wird und so auch den geistigen Horizont der Nor­man­nen- und Stau­fer­herrscher andeuten mag.


- 28 -

ZurückWeiter
Top
http://www.fleig-fleig.de/