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Megalópolis in Arkadien, Braunkohlekraftwerke und deutsche Ausgrabungen bei der Agorá (zwei Fotos vom 21.8.1997).
Unten links Säulentrommeln der Philipp II. gewidmeten Stoa Philippeion; daneben blau gepünkelt die Zugänge zu einigen Grabungsstätten
 

Das Braunkohlekraftwerk um 2018 (angeblich läuft es nur noch bis 2022)
Darunter die Stoá Philippeion mit der hochragenden ionischen Säule (2007)

Externe Quellen: Ναός Σωτήρου Διός, Megalópolis, Griechenland   https://travel.sygic.com/de/poi/megalopoli-city:366215   www.flickr.com/photos/dandiffendale/2554502070/in/photostream/

 

Von Karítenas Dorfzentrum fahren wir wieder den Schlängelweg zur Fernstraße zurück und biegen dann im rechten Winkel südwärts in Richtung Megalópolis ab. Es ist eine stre­cken­wei­se sehr schmale Ne­ben­stra­ße, die wieder einmal parallel zum Alpheios läuft. Als wir nach einer guten Viertelstunde einen offenbar künstlichen See pas­sie­ren, zeich­nen sich zur Rechten und bald auch zur Linken die Schlote, Was­ser­dampf­schwa­den und Kühltürme zweier Kraftwerke ab. Weiter südlich liegen noch nicht ge­flu­te­te Flä­chen der Landschaft so verschandelt da, wie wir es von den Abbauflächen des deutschen Braun­koh­le­ta­ge­baus her kennen. Wie zu lesen ist, wur­den die­se Wär­me­kraft­wer­ke 1969 und 1990 bei Megalópolis erbaut und verstromen die im Ta­ge­bau gewonnene schwefelhaltige Braunkohle. Wesentliche Kom­po­nen­ten bei­der Dampf­kraft­wer­ke hat eine Heidelberger Kraftanlagen-Firma erstellt. Übrigens registrierte schon in den 1830­er Jah­ren der diese Gegend durchreitende deutsche Ar­chäo­lo­ge Lud­wig Ross ei­nen selt­sa­men Schwe­fel­ge­ruch und merkte an, dass der Name einer der Ortschaften übersetzt „Stank­sat­tel” lau­te­te.

   Nach einer weiteren Viertelstunde erreichen wir Megalópolis, die um 370 v. Chr. durch Zusammenlegung von 40 Ortschaften und Heranziehung von Neusiedlern gegründete Haupt­stadt des Ar­ka­di­schen Bundes. Er­mu­tigt wurden die Arkadier dazu durch die Erfolge des thebanischen Feldherrn Epaminondas gegen Sparta; Epaminondas selber hat­te die Gründung dieser neuen Groß­stadt und die Neu­gründung von Messene als Ge­gen­ge­wicht zu Spartas Vorherrschaft auf der Peloponnes angeregt. Eine Zeit lang konnte Me­ga­ló­po­lis die ständigen Angriffe Spartas ab­schla­gen, bis es dessen König Kleomenos III. 222 v. Chr. gelang, die Stadt weitgehend zu zer­stören. Schon im darauffolgenden Jahr wur­de Sparta sel­ber vom Ar­ka­di­schen Bund und seinem mäch­ti­gen Ver­bün­de­ten Makedonien ein für allemal vernichtend geschlagen. Megalópolis wur­de wieder aufgebaut, was etwa die gestempelten Namen der Spender von Dachziegeln wie der des hier geborenen Geschichtsschreibers Polybios bezeugen. Die Große Stadt verlor jedoch immer mehr an Be­deu­tung und wurde 170 v. Chr. von den Römern erneut zerstört.

    Ungefähr einen Kilometer vor der Stadtgrenze kommen wir an einem ausgedehnten Grabungsgelände vorbei, in dem an mehreren Stellen ge­ar­bei­tet wird, auch jenseits der Straße. Wir stellen den Mietwagen ab und tre­ten hinzu. Ei­nes der im Ge­län­de abgestellten Autos trägt Plaketten der Uni­ver­si­tä­ten Gie­ßen und Marburg. Un­mit­tel­bar ne­ben der zwei Meter höherliegenden Straße dirigiert ein zünftig gekleideter Aus­grä­ber ei­nen Bull­do­zer, der Erd­mas­sen in einen LKW schüttet und sie sicherlich zur genaueren Sondierung an einer ent­fern­teren Stelle ablädt. Etwa hun­dert Me­ter wei­ter le­gen un­ge­fähr 20 Arbeiter Gebäude und Wege frei. Über das Gelände hin­ge­streut lie­gen viele Säulentrommeln und an­de­re Ge­bäu­defragmente. Sind dies etwa Notgrabungen angesichts der Tagesbauaktivitäten oder gar eines weiteren ge­plan­ten Kohlekraft­werks?

Postskriptum Mai 2019: Nein, es waren dies schon 1991 begonnene Frei­le­gungs­ar­bei­ten der Agorá, die bis 2003 unter der Leitung des Marburger Ar­chäo­lo­gen Hans Lau­ter stattfanden (nach seinem frühen Tod veröffentlichte und kommentierte die Archäologin Heide Lauter-Bufe das Nachlassmaterial). Je­ne Trommeln ge­hö­ren zu einer 156 m langen dreischiffigen Säulenhalle der Stoá Philippeion, an die sich im rech­ten Winkel die westlichen Hauptgebäude der Agorá wie das Bouleuterion des Stadtrats anschlossen. Etliche der ionischen Säu­len­(stümpfe) konnten inzwischen wieder aufgestellt werden, darunter die ein­zi­ge voll­stän­di­ge monumentale ionische Säule des 4. Jahrhunderts v. Chr. in Griechenland”.

   Am Südostrand der eigenwillig konzipierten Agorá liegen noch die Relikte des von Pausanías beschriebenen Heiligtums des Zeus Soter, das wie die Agorá zum ersten Mal 1890-91 von der British School at Athens ergraben wurde und zuletzt An­fang der 1990er Jahre von Hans Lauter. Wie aus Münzfunden ersichtlich, war die Statue des thronenden Zeus offenbar nach dem Vorbild der Zeusstatue im Tempel von Olym­pia gearbeitet. Auch hät­ten die Megalopolitaner ihre ar­ka­di­schen Gott­hei­ten Her­mes und Pan besonders geehrt (Pausanías, VIII 30, 6-32, 3; a.a.O. S. 409-413): Den Pan mit zwei Statuen und den Hermes mit drei Statuen, ei­nem gemeinsamen Tempel mit Herakles, ei­nem gemeinsamen Heiligtum mit Apollon sowie mit dem einst beim Philippeion befindlichen Tempel des Hermes Akakesios, von dem nur noch eine marmorne Schild­krö­te er­hal­ten wäre (das Kennzeichen des Erfinders der Lyra).

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