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VI Germanistica



Sterkrader Kollegium 1957/58 mit dem neuen Direktor Dr. Otto Lorenz (Bildmitte in der 1. Reihe). Anders als auf späteren Kollegiumsfotos (S. 45, 57 und 58) schaut kaum jemand in Richtung der Kamera – einige scheinen sich gar demonstrativ abzuwenden!

Quelle: ‘Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums’ (Oberhausen 2005, S. 48)


Leiden und Widerstreben eines Unterstufenschülers


Wegen all dieser Probleme und Mängel spricht mich nie jemand an. Unse­re Lehrer scheint es nicht zu interessieren, warum je­mand nicht mit­kommt, al­len­falls „Faul­heit”, Schlam­pe­reiund Desinteresse werfen sie einem solchen Schüler vor oder geben dem einen oder an­de­ren un­ter uns – nicht mir – die Emp­feh­lung, ei­nen praktischen Be­ruf zu er­ler­nen. Hilfe von mei­nen Eltern er­war­te ich nicht, sie ken­nen sich ja im Un­ter­richts­stoff nicht aus, außerdem habe ich es seit dem er­sten Tag in der Grund­schu­le oh­ne sie hinbe­kommen.

   Ende 1956 gibt mir ein ungefähr 17jähriger Pfad­fin­der­füh­rer, der aus der gut sechs Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Stadt Dinslaken mit dem Fahrrad kommt, eini­ge Male Nach­­hil­fe in Latein, da ich bei gleich­blei­bend schlech­ter La­tein­no­te nicht mit auf Fahrt gehen dürfte. Zu meiner Verwunde­rung sprin­ge ich in der näch­sten Klas­sen­ar­beit von „man­gelhaft” gleich auf „befriedigend”. Doch falle ich nach dieser Eifelfahrt wieder in den al­ten Schlen­dri­an zu­rück.

   Wie ich nach einiger Zeit be­mer­ke, erhält so man­cher Mit­schü­ler re­gel­mä­ßig Nachhil­feunterricht, so­gar von un­se­rem Klas­senlehrer Dr. Siebert. Ich weiß allerdings, daß mei­ne El­tern so et­was nie be­zahlen würden und will dies im Grun­de auch nicht. So ist es mir denn ganz recht, daß mei­ne El­tern niemals in ei­ne der Sprech­stun­den ge­hen und ei­gent­lich erst durch die von ih­nen zu unterschreibenden Halb­jah­res­zeug­nis­se vom Ernst der La­ge er­fah­ren.


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