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VI GERMANISTICA



Bildtext: „RÜCKBLICK zum Ehemaligen-Treffen im Sommer 2016: Insgesamt haben sich knapp 1100 Menschen auf dem Schulhof getroffen!”
Quelle: https://scontent-frt3-2.xx.fbcdn.net/v/t31.0-8/25074801_260490154481863_4712267183011128612_o.jpg?_nc_cat=0&oh=7536011c284bb130c5b81585c6aee93a&oe=5B7A45A4

Leiden und Widerstreben eines Unterstufenschülers

Meine Klassenarbeiten fallen bald niederschmetternd aus, insbeson­dere in Latein und Ma­the­ma­tik er­war­te ich von Arbeit zu Ar­beit, von Halbjahres­zeugnis zu Halb­jah­res­zeug­nis be­klom­men meine Note. Wenn mir mit­un­ter mit ei­ner knap­pen Be­mer­kung oder in­dig­nier­ten Geste ei­ne „mangelhafte” Arbeit zu­rück­ge­ge­ben wird, ist mir denn doch je­des Mal ziem­lich un­an­ge­nehm. Und auch im münd­li­chen Un­ter­richt muß ich mich wie­der ein­mal da­bei ertappen lassen, nicht Bescheid zu wis­sen, kann mit den aus­wen­dig zu ken­nen­den ma­the­ma­ti­schen Formeln we­nig an­fangen und habe Mühe, die la­teinischen Satz­kon­struk­ti­o­nen zu ent­wir­ren, da ich noch nicht ein­mal das Vo­ka­bu­lar genügend beherrsche.


Meine Eltern erklären mir wiederholt, daß sie für meine Gymnasial­bildung „ein Opfer bringen”, für das ich mich nicht dank­bar genug er­weise. Tat­säch­lich müs­sen sie in den ersten Jah­ren noch „Schulgeld” für mich bezahlen. Ich über­weise es bald am Postschalter und liefere von Zeit zu Zeit die Quittung im Se­kre­ta­ri­at der Schule ab. Als ungefähr in der Quar­ta die Schul­geld­pflicht in Nord­rhein-Westfalen aufgehoben wird, fühle ich mich ziem­lich erleichtert.


Während ich als Grundschüler nur die Schreib- und Rechenhefte zu kaufen hatte, muß ich mir als Gymnasiast zu Schul­be­ginn jedesmal gleich für meh­re­re Fä­cher die Titel der bald benötigten Bücher aufschrei­ben. Für die fremd­sprachi­­gen Fächer wird neben dem Lesebuch manch­mal auch eine Gram­ma­tik fällig. Mei­ne El­tern nehmen es still zur Kennt­nis, ich freilich glau­be wie­der­holt ihren Unmut zu spüren. Und verzichte so im Lau­fe der Zeit auf et­li­che Hilfs­mit­tel wie At­lan­ten, Wör­ter­bü­cher und gram­matische Übungshefte.

Und das ging so oder so ähnlich weiter; noch Tage vor dem Schriftlichen Abi­tur kaufte ich mir laut Tagebuch von einer unerwarteten Geld­über­wei­­sung meines frei­wil­lig zur Bun­des­wehr gegangenen Bruders „ein englisches und französisches Wörterbuch, Zir­kel und anderes für Ma­the­matik”.


Dieser Verzicht auf Schulbücher fällt mir aber schon deshalb nicht schwer, weil mich die mei­sten kalt lassen und mir ins­be­son­dere bei Gram­ma­ti­ken und na­tur­kund­li­chen Büchern ist, als sollte ich mit einer fremden und mir herzlich gleich­­gül­ti­gen Ma­te­rie zusammengebracht und ihr un­ter­wor­fen wer­den. Deutsch- oder Erd­kun­de­bü­cher durchblättere ich schon eher, doch mit ei­ner ober­flächlichen Neugier und kaum jemals in der Vor­freu­de auf ei­ne Sa­che, mit der ich mich gründ­lich ver­traut ma­chen möch­te.

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