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Alt-Walsum 1951-53
OB-Holten 1953-55
OB-Sterkrade 1955-65
VI Germanistica


Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Oberhausen-Sterkrade, Kollegium 2005 („Tempora mutantur ...”)

Quelle: www.fvsg-ob.de/71.html

 

Jene Rahmenbedingungen, insbesondere die Zeitvorgaben, änderten sich schlagartig mit Beginn des Studiums, und schon Monate nach dem Abitur wurden meine schriftlichen Arbeiten statt mit der alten Dauernote „aus­rei­chend” durchweg mit „sehr gut” bewertet. Was mich nicht im geringsten verwunderte und von mir nicht ein­mal als Ge­nug­tu­ung empfunden wurde, sondern schlicht als Selbstverständlichkeit.

    Hätte man diesen Zeitdruck nicht schon in der Oberstufe von uns nehmen können, indem man uns statt der „Klas­sen­arbeiten” das eine oder andere komplexere Thema auch zu Hause schreiben ließ? Möglich war dies damals nur für Referate in den Wahl- und Randfächern wie Philosophie und Gemeinschaftskunde sowie für die „Jah­res­ar­beit” vor dem Abitur. Schriftliche „Hausarbeiten” hingegen waren in ihrem Pro­blem- und auch Lö­sungs­ni­veau weit­hin genormt und schon wegen ihrer stundenweisen Fälligkeit auf keine nennenswerte Vertiefung hin an­ge­legt. Wie zu se­hen, ging es meinem Deutschlehrer jedoch nicht nur um das Fragmentarische meiner Aufsätze. Sie waren ihm auch „zu krit­isch” in dem Sinne, daß ich die schriftliche Aufgabenstellung als solche nicht unbefragt annahm, sondern so­gleich einer begrifflichen Ana­ly­se un­ter­zog, die der Un­ter­su­chung eine eigene, von ihm und dem Un­ter­richts­pro­gramm so nicht intendierte Richtung geben mußte. Ein Ei­gen­sinn, der sich in dieser Intellektualität erst in der Ober­stu­fe herausbilden konnte, im Grunde aber nur eine andere Er­schei­nungs­form je­ner Men­ta­li­tät war, die schon un­ge­fähr im elfjährigen Quintaner Gestalt annahm, in meiner trotzigen Gewißheit nämlich, die Sa­che ei­gent­lich bes­ser ver­standen zu haben oder doch verstehen zu können als der mich abfragende unzufriedene Lehrer. Und ist es nicht so, daß die­ser Exi­stenz­kampf ge­gen die Schü­lerrolle, gegen die Subordination unter ein vorgegebenes Pro­blem­ni­veau, kaum jemals aus­ge­stan­den ist?


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