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Die zur „EXPO 1998” erbaute Bahnstation „Gare do Oriente”; oberhalb des muschelförmigen Eingangs der Zugbahnhof



Rechts oben: Die zu einer Mall umgestaltete Eingangshalle des EXPO-Geländes
Daneben die Gondelbahn zum Turm „Vasco da Gama”; im Hintergrund die zur EXPO erbaute gleichnamige Tejo-Brücke

Quellen: www.bahnbilder.de/1024/bahnhof-oriente-lissabon-calatrava--403145.jpg    http://archivitaliste.com/wp-content/uploads/2015/07/Gare-Oriente-Lisbonne-01.jpg
   www.bdp.com/globalassets/projects/vasco-da-gama/01_vasco_int.jpg   www.imeko2009.it.pt/venuephotos/Venue10.jpg


Die Wän­de dieser neuen Metrostationen sind überwiegend mit modernen Azu­le­jo-Motiven ver­klei­det. Eine faszinierende Architektur erwartet uns dann mit dem Ostbahnhof („Gare do Ori­en­te”), der an die ehemaligen Eingangshalle der EXPO (das jetzige Shoppingcenter) angrenzt. In dieser Halle mag man sich angesichts der Was­ser­kas­ka­den in ih­rer doppelverglasten Decke wie an ei­ner wo­gen­den See vorkommen, oder auch, beim Anblick einiger wie Gangways schräg geneigten Verbindungsstege, wie in einem Schiffs­kör­per, zu­mal wenn dann von Zeit zu Zeit ein Schiffs­horn er­tönt. Un­ter uns, etwas kleinlich und deplaziert, kommen noch einige nach Art venezianischer Gondeln ge­stal­te­te Sitz­bän­ke in den Blick. Andere Gebäude neh­men in Form und auch Far­bge­bung ebenfalls die Meeresthematik jener EXPO („Os oceanos”) auf. Darüber hinaus hat der Ar­chi­tekt San­tia­go Ca­la­tra­va die Dachkonstruktion des höher ge­leg­ten Zug­bahn­hofs mit neogotischen Akzenten versehen: Pfeiler, die zu palmengleichen Fächergewölben hoch­füh­ren und so de­nen äh­neln, die wir heute Morgen für die Kirche San­ta Ma­ria in Be­lém bewundern konnten.

   Eigentlich wollten wir zunächst zur Tiefsee-Aus­stel­lung mit Haifischbecken, doch die davorstehende Menschenschlange wür­de sich erst in gut an­dert­halb Stunden, kurz vor To­res­schluß, auf­ge­löst ha­ben. So durchstreifen wir nun einfach das Territorium. Am äußeren Geländesaum klirren hun­der­te von Mo­bi­les; es sind an Masten be­fe­stigte Se­gel­tü­cher, de­ren un­te­rer metallener Haltering sie jeweils auf- und niedersausen und den hef­ti­gen See­wind­be­we­gun­gen fol­gen läßt. In ei­ner Ka­bi­nen­gon­del schweben wir in bald 30 Me­ter Hö­he gut ei­nen Kilometer am Tejo-Ufer ent­lang, mit Kurs auf den 145 Me­ter ho­hen „Vas­co-da-Ga­ma”-Aus­sichts­turm. Sei­ne Kon­struk­ti­ons­wei­se spielt auf Schiffs­mast und -bug sowie Se­gel und Aus­sichts­korb einer portugiesischen Karavelle an. Wir be­nut­zen den von Thys­sen erbau­ten Auf­zug; und müssen uns oben, bei ge­schätz­ter Wind­stär­ke zehn, am Ge­län­der fest­hal­ten. Un­ser Rund­blick bleibt vor allem an der neuerbauten Vas­co-da-Ga­ma-Brü­cke haften, die selbst Oze­an­rie­sen die Durch­fahrt er­laubt. Auch kann man von hier aus gut erkennen, daß diesseits des Tejo ein neues Stadtviertel entsteht (2013 hat es unter dem Namen „Parque das Nações” den Status einer Lis­sa­bon­ner Stadt­ge­mein­de erhalten).

   Schon bei der Planung der auf einem verrotteten Industriegebiet angelegten EXPO hatte man die Weiterverwendung der Gebäude nach der Weltausstellung bedacht. So wur­de an den Ausichtsturm ein Luxushotel zum Tejo hin gebaut und der größte Pavillon zu einer Mehrzweckarena umgestaltet, ein anderer Pavillon beherbergt nun ein Spiel­ca­si­no, ein weiterer ein Wissenschaftsmuseum, und mehrere Ausstellungshallen werden als das Messezentrum „Feira Internacional de Lisboa” genutzt.


Nach der Rückfahrt zur Praça do Comércio nehmen wir dort eine der orangefarbenen Fähren durch das „Strohmeer” hinüber zu der Ortschaft Cacilhas (14), deren Wertkräne wir schon öfter vor Augen hatten. Über die Bedeutung des Namens „Mar da Palha” ist man sich nicht einig, die einen wollen es mit der Stroh- oder Goldfarbe des Tejos be­son­ders im Morgen- und Abendlicht erklären, die anderen nüchterner mit der Masse der in diesem Mündungstrichter des Flusses angesammelten Pflanzenreste. Die Überfahrt dau­ert kaum ei­ne Vier­tel­stun­de. Etliche dieser Fähren sollen einst im Hamburger Hafen genutzt und nach ihrer Ausmusterung hier wieder instand gesetzt worden sein. – In Ca­cil­has ge­hen wir die Hauptstraße ein Stück weit hügelan, biegen aber bald zum Tejo ab. Dort lassen wir uns auf einer Bank nie­der und erfreuen uns längere Zeit am An­blick des jen­sei­ti­gen Lis­sabon.

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