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Agía Galíni an der Südküste Kretas; im Hintergrund das Idagebirge



Die Bucht von Mátala mit ihren Höhlen; rechts in der Hippiezeit um 1969

Quellen: www.west-crete.com/dailypics/photos/752large.jpg   www2.brevard.edu/freezeet/crete%20pics/Crete.htm   www.protothema.gr/files/1/2014/06/21/matala/46169-620-400.jpg

Mo. 22.8.05:

Wir verlassen Kretas Nordwesten und fahren über Réthymno auf der Südoststrecke in Richtung Mátala. Auf halbem Wege machen wir kurz vor Arméni an der großen spät­mi­no­i­schen Nekropole Halt, die über 200 Kammergräber – meist Fa­mi­li­en­grä­ber – sowie ein Kuppelgrab (Tholos) enthält; sie ist aber am heutigen Montag geschlossen. Wunderlicherweise forschen die Archäologen immer noch nach den Relikten der dazugehörigen Kleinstadt.

   Nach ei­ner wei­te­ren guten Stunde, streckenweise durch Ödland und dann auf Bergstraßen, zeigt sich zu unserem Entzücken plötz­lich das Li­bysche Meer und in einer Meeresbucht vor uns das hell schimmernde Städtchen Agía Galíni. Wie le­gen hier eine Pause ein und spazieren auf der durch mächtige Wel­len­bre­cher ge­schütz­ten Mo­len­mau­er, vorbei an Yachten und einem Küstenwachschiff.

   Der Kellner einer Hafentaverne versucht dann ei­nen be­mer­kens­wer­t gedoppelten Trickbetrug: Zuerst „vergißt” er, mir ein Messer vorzulegen und ent­schul­digt sich dafür; als ich mich nach dem Bezahlen nach dem noch aus­ste­hen­den grö­ße­ren We­chsel­geld erkundigen muß, entschuldigt er sich sofort da­mit, vom ge­strigen Trinkgelage her noch einen wirren Kopf zu ha­ben, wie ja schon aus der Sa­che mit dem Mes­ser her­vorgehe. (Ein weiterer an­geb­lich für Kre­ta un­ty­pi­scher Fall trägt sich am vorletzten Rei­se­tag in ei­ner Ta­ver­ne bei Irá­kli­o zu: Der Kell­ner gibt mir auf die ihm überreichten 50 Euro das Wech­sel­geld nur auf 30 Eu­ro zurück; auf mei­nen Pro­test hin – ich hät­te ihm nur ei­nen Schein ge­ge­ben, und es gä­be keinen 30-Euro-Schein! – lenkt er sogleich ein, und schon ist ein zwei­ter An­gestellter zur Stelle, der ihm sogleich einen Verweis er­teilt, der wiederum nur  vor­ge­spiel­t gewesen sein dürf­te.)


Kaum eine halbe Stunde später erreichen wir in der Messara-Tiefebene das Dorf Sívas. Hier haben wir in einer kleinen Ferienanlage ein Appartement für zwei Übernachtungen gebucht, um vor allem die umliegenden mi­no­i­schen Aus­gra­bun­gen von Festós und Agía Triáda zu besichtigen.

   Nach dem Einchecken fahren wir noch zu der nicht weit entfernten Bucht von Má­ta­la, wo in der Antike der Seehafen von Phaistós und Górtis lag. Die dort wohl in der jüngeren Steinzeit bewohnten Höh­len wurden in römischer Zeit zu Grab­stät­ten ausgebaut und dienten in den 1960er und 70er Jahren Hippies und „Travellers” aus aller Herren Länder als Behausungen; die größeren Höhlen wurden auch von Kleingruppen belegt. Als gewisse Nachlässigkeiten in Verhalten und Klei­dung um sich griffen, ließ die örtliche Verwaltung auf Drängen des Klerus diese Benutzung der Höhlen untersagen. Die Bucht selber mit ihren von schat­ten­spen­den­den Ta­ma­ris­ken be­wachsenen Strandabschnitten ist wirklich sehr an­zie­hend. Schon Zeus war hier in Stier­ge­stalt mit Europa an Land gegangen, und im 9. Jh. hatten die Araber von hier aus ganz Kre­ta erobern wollen. – P.S. 2016: Seit 2011 werden in Má­ta­la jähr­lich Revivals dieser Hippiezeiten organisiert, zu­nächst von Alt­hip­pies pri­mär für ehemalige Höhlenbewohner und danach eher als Tourismusveran­stal­tun­gen.

    Das Abendessen nehmen wir in einer Taverne auf dem schönen alten Dorfplatz von Sívas unter mächtigen Baumkronen ein. Neben einigen Touristen haben sich in der friedlichen Sze­ne­rie viele Einheimische eingefunden. Ein Dorf­leh­rer ist es wohl, der da mit den Kindern scherzt; dann bekreuzigt sich eine vielleicht Neunjährige, als sie an der kleinen Kirche vorbeikommt. Und wie wiederholt auf Kreta bemerke ich, wie so entspannt, ja lässig die schwarz­ge­klei­de­ten grie­chisch-­or­tho­do­xen Priester mit den Dorfbewohnern um­ge­hen und auch be­reitwillig mit ihnen schwatzen. Es liegt wohl nicht zu­letzt daran, daß sie im Unterschied zu ihren so oft verklemmten ka­tho­li­schen Kol­le­gen ein Familienleben mit Frau und Kin­dern füh­ren dürfen.
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