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Totengedenktafel im unteren Flurbereich, uns Schülern der Unterstufe ständig vor Augen. Von den Familiennamen der Gefallenen waren und sind mir nur wenige vertraut.

Rechts oben: 1965 gehörten noch Trog und Wasserhahn zur Gedenktafel.
In dieser Flurecke befindet sich nun eine "Hausmeisterloge".

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Freiherr-vom-Stein-Gymnasium_(Oberhausen-Sterkrade)#/media/File:Gedenktafel_f%C3%BCr_Gefallene_des_Ersten_Weltkriegs_im_S%C3%A4mann-Treppenhaus.jpg

http://bi.schraven-net.de/su/fvs1965/FVS-f0006.htm (Blitzlichtfoto 1965 von Gerhard Dotzauer)   https://www.facebook.com/photo.php?fbid=794373390699615&set=gm.10153513706026945&type=3&theater

 

In den beiden ersten Jahren liegen unsere Klassenräume in dem Flurbereich gleich hinter dem „Sämann”-Portal. Hier haben wir ständig die Gedenktafel für die im 1. Weltkrieg ge­fal­le­nen Lehrer und ehe­ma­li­gen Schüler vor Augen. Mir unheimlich ist der Trog mit dem Wasserhahn, der wie rituell direkt unter dieser Totentafel angebracht wurde.

Trog und Hahn wurden wohl wenige Jahre nach dem Foto von Gerhard Dotzauer entfernt. Der derzeitige Schulleiter OStudDir. Uwe Bleckmann jedenfalls, der 1976 in die Sterkrader Sex­ta kam, konn­te sich bei einer pri­va­ten Führung durch das Schulgebäude (2016) nicht mehr an sie erinnern.


In der Nähe der Gedenktafel strecke ich in der Sexta oder Quinta einen Schüler aus einer der Nach­bar­klas­sen, der mich mutwillig attackierte, mit einem Schlag in die Magengegend zu Bo­den. In den nach­fol­gen­den Sekunden, bis er sich wieder aufrichten kann, wird mir bang und banger.


Durch das Sämann”-Portal habe ich nur Schüler und Lehrer gehen sehen. Und überhaupt finden sich nur selten Besucher an unserer Schule ein. Zwei-, dreimal sehe ich, wie ein ehe­ma­li­ger Schüler Jahre nach dem Abi­tur oder noch während sei­ner Zeit bei der Bundeswehr (in Uniform) beim Leh­rer­zim­mer wartet oder sich schon auf dem Flur mit einem Leh­­rer un­ter­hält, freu­dig angeregt, wie ich es sonst nie bei uns er­lebt ha­be.

   Nur bei der jährlichen Entlassungsfeier für die Abiturienten finden sich bei uns viele Gäste in der Au­la ein: Eltern, Vertreter von Behörden und „Ehe­ma­li­ge”, die man 20 oder 30 Jahre nach ihrem Abi­tur wieder hier­zu eingeladen hat. Diese in Grüppchen da­ste­hen­den Herren unterhal­ten sich eif­ri­ger als an­dere Gä­ste, und einen von ihnen sehe ich von mei­nem er­höh­ten Sitzplatz des Schul­chors aus beim Mittelgang er­war­tungs­voll um­her­bli­ckend sitzen, sicherlich nach alten Mitschülern Ausschau hal­tend. Ei­ne An­spra­che, die ihr Ver­treter im schwarz­em An­zug mit sil­berfarbener Kra­wat­te hält, tut mir besonders wohl, denn sie un­ter­streicht den Ab­stand zum ge­gen­wärtigen Schulbetrieb und läßt er­ah­nen, daß auch meine ei­ge­ne, in ih­rer Un­ab­seh­bar­keit so läh­men­de Schul­zeit re­vi­dier­bar ist, daß sie nicht das letzte Wort behalten muß und ir­gend­wann viel­leicht mit frei­e­rem Blick be­trach­tet wer­den könnte.

   Und wieder einmal singe ich schließlich im Schulchor <nach Felix Men­dels­sohn, Text von Hoff­mann v. Fallersleben>:

                                                                                                                             „Nun zu guter Letzt

                                                                                                    Geben wir Dir jetzt
                                                                                                   Auf die Wandrung das Gelei-ei-te.                                                              

                                                                                                    Wandre mutig fort, und an jedem Ort

                                                                                                    Sei Dir Glück und Heil zur Sei-ei-te.
                                                                                                    Wa-a-andern müssen wir auf Erden,
                                                                                                    Unter Freuden und Beschwerden

                                                                                                    Geht hinab, hinauf, unser Lebenslauf.

                                                                                                    Das ist unser Los auf Er-er-den.”


Meiner Erinnerung nach kam ich auf dieser Anstalt nicht ein Mal mit fremden Schülern oder Leh­rern zusammen, ha­be auch nie mit einem Mädchen des Ly­ze­ums, das nur ein paar hundert Meter von uns liegt, ein Wort gewechselt.

   Nach Unterbindung des gemeinsamen „Schulgottesdienstes” 1959 wurde 1963 auch die gemeinsame Aus­ga­be der seit 1958 für Gym­na­si­um und Ly­ze­um bestehenden „Schü­ler­zeit­schrift” ohne Angabe von Grün­den aufgegeben und in unserem Zeitschrift nur noch ver­ein­zelt ein „Schüler­ball” er­wähnt.

   Von der Sexta bis zum Abitur wurde von uns nicht ein einziges offizielles Klas­senfo­to ge­macht! Unschätzbar deshalb die Privatfotos von Hans-Jür­gen Heiermann und be­son­ders die Ka­ri­ka­tu­ren, die nach der „Mitt­le­ren Reife” Wim Wenders für un­se­re „Bier­zei­tung” ge­zeich­net hat.

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