Home
Impressum
RUTH FLEIGS GALERIE
Schulkinder malen
Bilderbuch Rob. Rabe
Kritzel-Kratzel
HORST FLEIGS TEXTE:
I  Philosophica
II  Reiseberichte
China Okt. 2011
Finnland Sept. 08
Andalusien Sept. 06
Kreta Aug. 05
Sizilien Aug. 03
Griechenland Aug. 01
Ithaka-Peloponnes 97
USA: 1980+1990+2000
Städtetrips:
Marrakech 2015
Davos/Sils 07
Prag Juni 06
Lissabon/Sintra 99
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
VI GERMANISTICA



In der JUDERÍA von Córdoba



Portal und Innenraum der Synagoge in der Calle de los Judíos
Quellen: www.artencordoba.com/LUGARES-INTERES/FOTOS/JUDERIA/JUDERIA_BARRIO_JUDIO_CORDOBA_03.jpg  https://elgatoeneljazmin.files.wordpress.com/2011/05/riojun-003-velvia.jpg   http://static.panoramio.com/photos/large/32809497.jpg
www.youropi.com/nl/cordoba/locations/synagoge-3062


Wir schauen uns danach die gestern von uns nur durchquerte Judería näher an. Wie üblich, gab es schon unter römischer, westgotischer und arabischer Herr­schaft ein jüdisches Viertel in Córdobas Alt­stadt, doch erst nach der christlichen Rückeroberung von 1236 wurde auf Drängen der Geistlichkeit die Ju­de­ría als Ghet­to mit hohen Mauern und über Nacht geschlossenen To­ren ausgebaut. Sogleich nach dem Fall von Gra­na­da 1492 stellte das Paar der „Ka­tho­li­schen Kö­ni­ge” Spa­niens Sephardim vor die Wahl, sich taufen zu lassen oder zu emigrieren. Schätzungweise 300.000 Juden verließen Spanien, und die ver­blie­be­nen (zwangs-)­kon­ver­tier­ten Juden wurden bald danach durch die Inquisition verfolgt.

    Córdobas Judería gilt als das besterhaltene Ghetto in Europa. Wir kommen durch schmale und für uns bald verwirrend verwinkelte Gassen, die sich dann und wann zu Plätzen erweitern. Die weiß­ge­tünch­ten und meist zweigeschossigen Häuser haben zur Straßenseite hin oft Balkone, Fenster mit schmiedeeisernen oder hölzer­nen Zier­git­tern sowie an den Außenwänden Einbuchtungen in Höhe einer Wa­gen­rad­na­be. Vereinzelt zeigt sich ein kleiner Park, ansonsten sind Be­pflan­zun­gen rar, ge­le­gent­lich hat man in einem Gas­sen­ab­schnitt nur eine einzige rührende Topfpflanze aufgestellt. Zum Zen­trum mit der Sy­n­a­go­ge hin wer­den die Ge­bäu­de mit ih­ren Patios merklich eleganter und finden sich mehr Ga­le­rien und Lä­den mit Schmuck oder Le­der- und Sil­ber­schmied­ar­beiten.


Die 1315 erbaute Syn­ago­ge ist die einzige noch in Andalusien erhaltene. Nach der Vertreibung oder Konvertierung der Juden wurde sie als Hospital für psychisch Erkrankte genutzt, gegen Ende des 16. Jh. als Ka­pel­le der Schuhmacherzunft eingerichtet und Mitte des 19. Jh. als Kindergarten. Sie ist nicht direkt von der Straße her zu betreten, sondern über einen Innenhof. Erbaut wurde sie im Mudéjar-Stil mit Ye­se­ri­as und einer Artesonado-Holzdecke. Im unteren Bereich liegen ein Atrium und der Gebetsraum, dessen einziges Kult­ob­jekt ei­ne Me­no­ra ist; in zwei Ni­schen rechts und links von dem siebenarmigen Leuch­ter wa­ren die Thora und andere Schriftrollen verwahrt. In die Wände eingelassene (Marmor-)Tafeln enthalten Verse aus dem Buch der Psal­men und dem Ho­hen­lied. In ei­ner der anderen Nischen hat man jüngst Re­ste ei­nes spä­ten Wandgemäldes mit christlichem Kreuzesmotiv freigelegt.

   Eine Treppe führt hoch zu der Frauenempore, wie wir sie einst ähnlich in der gotischen Alt-Neu-Sy­nagoge von Prag sahen. Jene befand sich freilich in einem erst Jahrhunderte später hinzugefügten Anbau, wäh­rend die­se mit ihrem Dreifachbogen immer schon bestand.


P.S. 2015: Den Nachfahren der 1492 Vertriebenen hat nun der spanische Staat angeboten, die doppelte Staatsbürgerschaft zu erwerben. Als Nachweis der Ver­trei­bung reicht es freilich nicht, etwa den Haus­schlüs­sel vor­zu­legen, der in vielen sephardischen Familien von Generation zu Generation wei­ter­ge­ge­ben wurde; vielmehr wird die Kenntnis des spätmittelalterlichen Judenspanischen (Ladino) oder der se­phar­di­schen Kul­tur ver­langt.

- 42 -


ZurückWeiter
Top
http://www.fleig-fleig.de/