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Oben: Auf der Stadtmauer von Xian (im Regendunst)
Darunter: Stadtmauer mit einem der Ecktürme


Straßenküche und Streetfood-Angebote in Xian

Quelle für das untere Photo: http://farm3.staticflickr.com/2260/2143168869_0ec9e29e0f_o.jpg

 

In seinem Unsterblichkeitsverlangen soll der Kaiser auch regelmäßig Queck­sil­ber als Elixier zu sich genommen und zuletzt Symptome einer Queck­sil­ber­ver­gif­tung ge­zeigt ha­ben. Er verstarb mit erst 49 Jahren auf einer seiner weiten Inspektionsreisen, die ihn wiederholt bis zu dem Gel­ben Meer mit jenen "In­seln der Un­sterb­lich­keit" ge­führt hat­ten. Wie in Akira Kurosawas Film 'Kagemusha' (1980) versuchten einige hohe Ge­folgs­leu­te, den Tod des Herr­schers bis zur Rück­kehr nach Xi­an zu ver­heim­li­chen und ließen so vor und hinter dem kaiserlichen "Kom­fort­wa­gen" ei­nen Wa­gen mit ei­ner bald nicht mehr frischen Fischladung mitfahren. Wenn er wirk­lich an ei­ner chronischen Queck­sil­ber­ver­gif­tung starb, dürfte dieses sogenannte Über­gangs­me­tall ali­as Merkur nicht nur für die Flüsse und den Oze­an in sei­ner Grab­an­la­ge nachweisbar sein, sondern auch für die ir­di­schen Re­ste dieses Herrschers.

   Zum Abschluß dieses kleinen Kapitels über den Totenkult noch eine interkulturelle Anmerkung zu der Zufallsentdeckung der Terrakotta-Armee: Es war ein Gra­nat­ap­fel­hain, in dem die Brunnenwasser suchenden Bauern 1974 ihren Schacht gebohrt hatten. Den Granatapfel und seinen Genuß hat ja schon die grie­chi­schen My­tho­lo­gie eng mit der Unterwelt verquickt; Persephone mußte dies erfahren, als sie nach dem Ver­zehr die­ser Frucht in das Reich des Ha­des ge­bannt blieb.


*


Am frühen Nachmittag kommen wir mit dem Reisebus wieder zurück nach Xian und steigen am Westtor der Stadtmauer aus. In ihrer jetzigen Ge­stalt stammt sie aus dem 14. Jh. und ist die einzige Chinas, auf der man die Altstadt vollständig umlaufen und auch mit dem Fahrrad oder in ei­ner Rikscha um­fah­ren kann. Sie ist 14 km lang, oben über 12 m Meter breit und durch einen Wassergraben gesichert; er­baut wur­de sie stre­cken­weise auf den Fun­da­men­ten der dreimal längeren Stadt­mau­er aus der Tang-Zeit, als Xian noch Millionenstadt war.

   Die gegenwärtige Mauer ist beeindruckend genug. Ich fühle mich dort oben, im Regendunst und angesichts einzelner Radfahrer, se­kun­den­lang auf eine der langen und breiten Straßen von Ferrara versetzt! Nach einem kurzen Spa­zier­gang sehen wir uns im Westturm ei­ne Aus­stel­lung an, die un­ter anderem über den Verlauf der von Xi­an aus­gehenden Sei­den­stra­ße unterrichtet.


Die Stadt ist auch wegen ihrer Teigtaschen bekannt, und so gehört denn zum heutigen Abendprogramm unserer Gruppe ein kleines Teig­ta­schen­ban­kett. Nachher wer­den wir alle zu einem abendlichen "Wasserorgel"-Spektakel geführt, über das man schnell geteilter Ansicht sein kann. Es ist ei­ne auf­wen­di­ge Wasserspiel-Show mit Licht- und Farb­ef­fekten, bei der zur 'Kleinen Nachtmusik' oder auch zur Ouvertüre der 'Leich­ten Ka­val­le­rie' an die 1000 Fon­tä­nen rhythmisch zum Tanzen ge­bracht wer­den sollen.

    Zuletzt durchstreifen wir beiden noch die Altstadt von Xian. Hier, innerhalb des Gevierts der Stadtmauern, sind keine Ge­bäu­de im mo­der­nen Stil er­laubt und fin­den sich daher häufig Nachbildungen älterer Häuser, sogar im Look der be­nach­bar­ten Wach­tür­me. - Vie­les spielt sich am Abend am Ran­de der Stra­ßen ab, darunter die uns faszinierende Ar­beit der Gar­kö­che, das Schlachten von Fischen und Zubereiten von Spei­se­n, deren ku­li­na­ri­sche Be­stim­mung wir bis zum En­de un­se­rer Chi­na­rei­se nicht immer von ei­ner me­di­zi­ni­schen oder aphro­di­si­a­ki­schen un­ter­schei­den kön­nen.

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