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Zweimal Hermes Kriophoros: Im Archäologischen Museum Palermo und (Mitte) im Museo Barracco Rom; rechts der wohl Lysipps Schule entstammende Bronzewidder in Palermos ‚Museo archeologico regionale Antonino Salinas’

Links oben: Der unter Mussolini erbaute Palazzo delle Poste von Palermo
Darunter das Archäologische Museum Palermos, untergebracht im ehemaligen Ordenshaus der Kongregation von Filippo Neri
Quellen: http://panormus.altervista.org/poste.jpghttps://it.wikipedia.org/wiki/File:Kriophoros,_sec._V_a.C._-_Foto_G._Dall%27Orto.jpg  https://it.wikipedia.org/wiki/File:Kriophoros,_sec._V_a.C._-_Foto_G._Dall%27Orto.jpg  
www.my-favourite-planet.de/english/people/h1/hermes.html   www.arte.it/calendario-arte/palermo/mostra-il-magnifico-cornuto-29423


Von der Piazza di Quattro Canti aus laufen wir noch ein Stück auf der Via Vittorio Ema­nu­ele weiter und biegen in die Via Roma nördlich zum Archäologischen Museum hin ab. Ich muß auf­la­chen, als ich dann die überbreite stu­fen­rei­che Freitreppe ei­nes pom­pö­sen Gebäudes mit 30 Meter hohen Säulen erklimme und bemerke, daß mich dort oben nicht das vermutete Mu­se­um erwartet, son­dern einer der unter Mussolini errichteten fa­schi­sti­schen Post­pa­lä­ste! In Palermo fiel das Gebäude besonders kolossal aus, da es als Kommunikationszentrale zwi­schen Italien und sei­nen af­ri­ka­ni­schen Kolonien angelegt wurde.

    Untergebracht ist das Archäologische Regionalmuseum ,Antonino Salinas’ einige hunderte Meter weiter im ehemaligen Ordenshaus der Kongregation des hu­mo­ri­sti­schen Heiligen” Filippo Neri (so Goethe in seiner Wür­di­gung). Unter den vielen kostbaren Exponaten vor allem aus Westsizilien nenne ich hier nur die Metopenskulpturen aus Se­li­nunt mit dem soeben von Hunden zerfleischten Aktäon und dem Medusa ent­haup­ten­den Perseus, auch eine in Pompeji gefundene Bronzeskulptur des Herakles, der die heilige Hirsch­kuh der Ar­te­mis an ihrem goldenen Geweih behutsam zu Boden drückt (eine römische Kopie nach Ly­sipp).

   Von den bei­den wohl ebenfalls aus Ly­sipps Schu­le stammenden hingelagerten Bronzewiddern hingegen, die Goe­the so be­wun­der­te, hat sich nur noch ei­ner er­hal­ten, der andere wur­de während der Auf­stands­kämp­fe von 1848 zerstört. Goethe sah sie am 11. April 1787 noch im Museumstrakt des Normannenpalastes und schrieb:

                    „Sie sind liegend vorgestellt, die eine Pfote vorwärts, als Gegenbilder die Köpfe nach verschiedenen Seiten gekehrt; mächtige Gestalten aus der mythologischen Familie, Phrixus und Helle zu tragen

                    würdig. Die Wolle nicht kurz und kraus, sondern lang und wellenartig her­ab­fal­lend, mit großer Wahrheit und Eleganz gebildet, aus der besten griechischen Zeit. Sie sollen in dem Hafen von Syrakus

                    gestanden haben.”

Es war Hermes, der jenem Geschwisterpaar vor dem drohenden Opfertod den geflügelten Widder mit dem Goldenen Vlies zu Hilfe sandte und durch die Lüfte davontragen ließ. In einer der Vi­tri­nen, die un­ter an­de­rem mu­schel­über­wach­se­ne an­ti­ke Krie­ger­hel­me präsentieren, erblicke ich dann eine faszinierende Statuette meiner Lieblingsgottheit: Ei­ne etwas mitgenommene Terracottaskulptur vom Ty­pus ,Her­mes Krio­pho­ros’, der als Vor­läu­fer des ,Gu­ten Hir­ten’ Jesus einen Widder auf den Schultern trägt.

   Hermes wurde nicht allein als ,Hermes Kriophoros’ zum äußeren Vorbild für den ,Guten Hir­ten’ Chri­stus, son­dern war ja, wie vorhin für die Piazza di Quattro Canti angesprochen, selber schon als ,Hermes Psy­cho­pom­pos’ der Seelenführer des Men­schen. Neben Christus wird seit Beginn des 18. Jh. auch Maria als ,Di­vi­na Pa­sto­ra de las Al­mas’ ge­fei­ert, als Seelenführerin mit dem klas­si­schen Hir­ten­stab und dem einen oder anderen Schäfchen an der Sei­te. Her­mes wäre in dieser geistesgeschichtlichen Hinsicht als als eher un­frei­wil­liger Stifter des Jesus-und-Ma­ria-Kul­tes zu be­trachten. Denn er selber trug ja keineswegs zu die­ser Christi Opfertod feiernden und selber im­mer wie­der Menschen opfernden oder sie bevormundenden Ideologie bei, an die uns beide kaum einer Viertelstunde später der Inquisitionspalast von Palermo er­in­nern wird. Viel­mehr in­spirierte Hermes von Kindesbeinen an zum li­stigen und erfinderischen Widerstand ge­gen über­mäch­ti­ge und rohe Gewalt. Exemplarisch für diese leidens- und widerstandsfähige Men­ta­li­tät auch des Menschen wurde das Le­ben von Hermes' Ur­en­kel Odys­seus, der sich auch durch Kalypsos Angebot einer gottgleichen Un­sterb­lich­keit nicht bestechen ließ.

 

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