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Oben: Das vermutlich um 500 v. Chr. gegründete Asklepios-Heiligtum von Epídauros
1= Der Asklepiostempel 2= Der soeben rekonstruierte Rundbau (die Tholos) 3= Die Heilschlafhalle (das Neue Abaton)
4= Der ,Altar des chthonischen Asklepios’ (nach jüngsten Grabungen; früher als ,Apollon-Altar’ bezeichnet) 5= Das Alte Abaton


Rechts oben: Das erst um 330 v. Chr. erbaute und Mitte des 2. Jh. v. Chr. erweiterte Amphitheater mit den Parodoi-Toren zu beiden Seiten; im Hintergrund der Kynotrion-Berg und das Arachnaíon-Gebirge
Darunter eine Grundrißzeichnung (von Lutz Käppel) mit dem für die Ausrichtung der Theaters maßgeblichen Pentagramm der Hygieia
 

 

Quellen: https://pausanias-footsteps.nl/wp-content/uploads/2019/09/epidauros-drone1-1024x576.jpg  (Legende von mir, H.F.)    https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37845477   https://books.google.de/books?id=dI5-79d8Yx8C&pg=PA105&lpg=PA105&dq=Epidauros+koilon&source=bl&ots=IzsI_IvySy&sig=ACfU3U0GnQ4kw-Uozx-66-zgjWPCvJjaSA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjon7fE1ermAhVNDuwKHVONDl4Q6AEwE3oECF8QAQ#v=onepage&q=Epidauros%20koilon&f=false

 

Montag, d. 25.8.1997:

Nach dem Hotelfrühstück in Toló fahren wir zu dem nur 30 km entfernten Asklepieion von Epídauros. Das letzte Wegstück führt durch eine Zypressenallee – die Zypresse war dem Gott Asklepios heilig – und bald danach in den Pinienhain des Heiligtums, wo sich schon viele Be­su­cher eingefunden haben. Zunächst besichtigen wir ein architektonisches Juwel, das von Polyklet d. Jüngeren erbaute spätklassische Amphithe­a­ter, das als eines der schönsten der Antike und zugleich als das best­er­hal­te­ne gilt, da es früh ver­schüt­tet und erst 1881 durch den grie­chi­schen Archäologen Panagis Kavvadias unter einem Buschwald entdeckt wurde. Der sonst so nüchterne Wilhelm Dörpfeld beschreibt seine Eindrücke 1906 wie folgt:

Wer jemals auf den Stufen des Theaters von Epidauros gesessen und den ganzen Orchestrakreis zu seinen Füssen gesehen hat, der kann diesen Anblick nicht vergessen, und wem es vergönnt war, Teile ei­nes an­ti­ken Dramas in der Orchestra aufgeführt zu sehen ... dem wird auch für alle Zeiten beim Lesen eines antiken Dramas gerade das Theater von Epidauros mit seinem Steinkreise als Spielplatz vor­schwe­ben.” (In: Das grie­chi­sche Theater, Athen 1896, S. 123f.)

Das Theater liegt ungefähr 500 Meter Luftlinie südöstlich des Asklepiostempels und der anderen Kultgebäude. Nach dem Vor­bild des ebenfalls von Dörpfeld erforschten Athe­ner Dionysos-Theaters war es in ei­nen Hang ge­baut und befand sich inmitten der kreisrunden Orchestra ein Dionysos-Altar, von dem noch ein runder Marmorsockel vorhanden ist. Das Am­phi­thea­ter verfügte Mitte des 3. Jh. v. Chr. über 34 Sitz­rei­hen für an­nä­hernd 6.500 Zuschauer und nach seiner Erweiterung (durch Aufschüttung) in der Mitte des 2. Jh. v. Chr. über 55 Reihen für bis zu 14.­000 Be­su­cher. Dieses zuletzt 22 Meter hohe und steile Halb­rund (das Koi­lon) wur­de durch elf Trep­pen keilförmig unterteilt. Nach Lutz Käppel hatte der Baumeister das Pentagramm, „das pythagoreische Symbol für ‚Hygieia<‚Gesundheit’> als sinnreiche Grundfigur seines Kunst­werks ge­wählt. Von ihr aus ist das gan­ze Koilon entwickelt. Treppenaufgänge und Proskenionfront folgen den Spitzen des Pentagramms.” Hygieia heißt ja auch die Tochter des Asklepios, die ihm zu as­si­stie­ren pfleg­te und wie er in Epídauros einen Tem­pel er­hielt sowie als Statuenkopie im dortigen Ar­chäo­lo­gi­schen Museum zu sehen ist (beim Füttern einer der heiligen Schlangen). – Wie üblich finden sich auch heu­te im Zen­trum der Or­che­stra im­mer wie­der Per­so­nen ein, die über­prü­fen las­sen, wie gut die fallende Münze, das kni­stern­de Pa­pier oder das Flü­stern von an­de­ren Besuchern auf der beinahe 60 Meter ent­fern­ten ober­sten Sitzreihe noch zu ver­neh­men sind.

   Flankiert wird das Theater von den beiden ,Parodoi’-Toren, die jeweils eine doppelten Einlass hatten; durch den breiteren betraten die Zu­schau­er das The­aterhalbrund, durch den schmaleren die Schau­spie­ler die Bühne; auch wäh­rend der Aufführung traten der Chor oder et­wa Bo­ten durch die Parodoi in die Orchestra. Das mit zwei seitlichen Ram­pen versehene Proskenion, die von Säulen getragene Bühne für die Schauspieler, war gut 3 ½ Me­ter hoch.

   Das Amphitheater wurde bis ins späte 3. Jh. n. Chr. genutzt, während das Asklepios-Heiligtum wie das des Zeus in Olympia und alle anderen griechischen Heiligtümer erst 426 n. Chr. vom oströmischen Kaiser Theo­do­si­us II. als heid­ni­sche Einrichtungen geschlossen wurden. – Seit 1938 und regelmäßig ab 1955 finden in Epídauros wieder Theaterfestspiele statt, die überwiegend antike Dramen und Komödien auf­füh­ren, in jüngerer Zeit au­ßer­dem moderne Dramen wie Shakespeares Othello (2010). 2013 inszenierte übrigens Thomas Ostermeier hier Aristophanes' Komödie Plutos, in der auch eine erfolgreiche Heil­be­hand­lung des von Zeus geblendeten Gottes des Reich­tums in dem Asklepieion von Piräus geschildert wird.

 

Von den Theaterrängen aus bleibt unser Blick auf der gegenüberliegenden dreifachen Staffelung von Hainwald, Bergwald Kynotrion und fernliegendem Arachnaíon-Gebirge (1199 m hoch) hängen. Dieses spielt im Aga­mem­non des Ais­chy­los, dem ersten Teil seiner Orestie, eine denkwürdige Nebenrolle als letzte Station der Signalfeuer-Stafette, durch die Agamemnon seine Gemahlin Klytämnestra von dem Fall Trojas be­nach­rich­tigt. Auf dem Kynotrion (857 m) wurde schon im 2. Jahrtausend v. Chr. ein Heiligtum errichtet, das im 7. Jh. v. Chr. den Vater des Asklepios verehrte, nämlich Apollon unter dem Beinamen Maleatas.

 

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