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HORST FLEIGS TEXTE:
I  Philosophica
II  Reiseberichte
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
Alt-Walsum 1951-53
OB-Holten 1953-55
OB-Sterkrade 1955-65
VI Germanistica


Karikatur von Wim Wenders

 

Im Frühjahr 1962 erhalten wir die mit dem Abschluß der Untersekunda verbundene, keine spezielle Prüfung erfordernde „Mitt­le­re Rei­fe”. Mit ihr verl­ässt uns ein Großteil der Mitschüler; einige wechseln auf ein anderes Gymnasium über, die mei­sten aber er­ler­nen ei­nen Beruf.

Zu den letzteren sollte auch ich gehören und machte auf Geheiß meiner Eltern bei Thyssen in Duisburg-Hamborn einen Eig­nungs­test als „In­du­strie­kauf­mann” mit. Bei der Schlussbesprechung wurde ihnen jedoch geraten, mich besser bis zum Abitur wei­ter­ma­chen zu lassen, da ich ei­gent­lich ein ganz pas­sables Zeugnis hätte. Wer weiß, was man bei diesem Test glaubte her­aus­ge­funden zu ha­ben, ich jedenfalls spielte dabei von ei­nem be­stimm­ten Mo­ment an nicht mehr recht mit.

 

Die Mittlere Reifewird von uns noch mit einem „Kommers” gefeiert, an dem auch diejenigen teilnehmen, die uns dann ver­las­sen werden. Ei­ni­ge von uns haben die Sache in die Hand genommen und zu diesem An­laß eine weithin versifizierte und von Wim mit Ka­ri­katuren ver­se­he­ne „Bier­zeit­ung” zu­sam­men­ge­stellt. Außer unserem Ma­the­ma­tik- und „Ver­trau­ens­leh­rer” „Char­ly” Meeßen – so­wie unserem Deutschlehrer „Egon” He­bel? – scheint sich noch ei­ner der Stu­dien­as­ses­so­ren in der Gast­wirt­schaft ein­ge­funden zu haben und sich still im Hintergrund zu halten.

   Die Verse der Bierzeitung, die uns im Laufe der Stunden von zwei oder drei Mitschülern vorgetragen werden, sind zumeist er­hei­ternd und auch span­nend. Zum erstenmal nämlich hat jemand zu uns und unseren Lehrern klei­ne­re Charakteristiken er­ar­bei­tet, in de­nen wir gut wie­der­zu­er­ken­nen sind, auch wenn die anonym bleibenden Verfas­ser sich in Über­trei­bun­gen ge­fal­len und sich so man­ches aus den Fin­gern gesaugt haben. Dies aber ist als mut­wil­lig-spa­ßi­ge Provokation immer noch kenntlich ge­nug geblieben.

   Die Ver­se auf mei­ne Person karikieren meine Kritiklust und die Art, Gra­tu­la­ti­o­nen und Kom­pli­men­ten dadurch aus­zu­wei­chen, daß ich den An­laß, in die­sem Fall meine Leistungen als Weitspringer, nach Kräf­ten her­un­ter­spie­le:

                                                                     „In der Zeitung las man neulich/ Von Hotti Fleig, der, höchst erfreulich,

                                                                     im Weitsprung einen Sieg errungen,/ 6,10m sei er gesprungen.

 
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