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Blick von Delphi über Olivenhaine bis hin zum Golf von Korinth; im Vordergrund ein Bewässerungskanal, dahinter beim Dorf Chrissó die Ebene von Kríssa, wo die Pferdewettkämpfe der Pythischen Spiele ausgetragen wurden.


Links oben: Das vermutlich älteste, um 600 v. Chr. angelegte Becken der Kastaliaquelle von Delphi.
Darunter der im 1. Jh. v. Chr. neu angelegte Bezirk der Kastalía (mit Nischen für Weihgaben)
 Quellen: https://rheinischer-spiegel.de/wp-content/uploads/2019/05/6049243E-7754-4C84-911A-CF5A0AB7A90D.jpeg   http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Delphi_Kastalische_Quelle.jpg
  http://image46.webshots.com/47/6/73/68/359467368AaiHoE_fs.jpg

Wir verlassen Theben in Richtung Delphi und haben nach einer guten halben Stunde immer wieder das Gebirgsmassiv des Parnass zu unserer Rechten. Nach einer weiteren halben Stunde zu­letzt auf einer gut ausgebauten Berghangstraße treffen wir am Fuße des Parnass in Delphi ein. An einem scharfen Straßenknick liegt in einer kleinen Schlucht, die durch zwei hier zu­sam­men­tref­fen­de Gebirgszüge gebildet wird, der Zugang zur Kastalischen Quelle. Sie ist mit einer Doppelschuld des späteren Musengottes Apollon verquickt: Er verfolgte hier die Nymphe Kast­alía, die sich auf der Flucht vor ihm in die Quelle stürzte; und erlegte an der später Delphi genannten Stätte mit Pfeil und Bogen den geflügelten und orakelkundigen Drachen Pýthon, der einst Apollons Mut­ter Leto töten sollte. Für diesen Frevel an dem Sohn der Erdmutter Gaía flüchtete Apollon mit seiner Zwillingsschwester Artemis nach Kreta, unterzog sich bei einem Priester einer Süh­ne­ze­re­mo­nie und konnte so als Apollon Pýthios über die Orakelstätte Delphi im eigenen, apollinisch-klaren Geiste herrschen.

   In der Antike wurde den Pilgern vor dem Besuch des Apollonheiligtums und des Orakels eine rituelle Reinigung in der Kastalía abverlangt. Wer aus ihr trank oder nur ihrem Geplätscher an­däch­tig lauschte, konnte überdies die Gabe der Poesie erhalten; oder auch beibehalten: Hugo von Hofmannsthal trank im Frühjahr 1908 aus ihr, nachdem er seinen Zyklus neubearbeiteter an­ti­ker Tragödien bereits abgeschlossen hatte.

   Die immer noch sprudelnde Quelle versorgt das heutige Delphi mit Trinkwasser. Wir können nicht näher treten, da die Kastalía seit einigen Jahren wegen Steinschlags nicht mehr zugänglich ist. So vertiefen wir uns in die phantastische Lage: Von der anderen Straßenseite aus erblickt man die Grabungsstätte des Gymnasion von Delphi und weiter hinten das halb verborgenes Hei­lig­tum der Athena Pronaía. Beiden gegenüber, getrennt durch die tiefe Schlucht des Flusses Pleistós, erhebt sich der Gebirgskamm des Kír­phis. An einer Wegkreuzung in dem Tal zwischen Kírphis und Parnassós soll Ödipus den ersten Teil des Delphischen Orakels erfüllt haben, indem er seinen Vater Laios erschlug. Beide hatten durch das Delphische Orakel von ihrem Schicksal erfahren, Lai­os vor der Geburt des Ödipus, dieser, in Korinth als Königssohn erzogen, als er in Delphi das Orakel über seine angezweifelte Abstammung befragte; er wollte nicht mehr zurück nach Ko­rinth und traf so auf halbem Weg nach Theben auf seinen leiblichen Vater.


Das von uns für zwei Übernachtungen gebuchte Hotel „Amalia” liegt am Rande des Dorfes vor einem Wäldchen und vereint den Charmes eines Gebirgshotels mit dem einer im Bungalowstil er­bau­ten Jugendherberge. Nach der Einquartierung ma­chen wir noch einen Spaziergang auf dem von Ruinenstücken gesäumten Weg direkt unterhalb des eingezäunten Apollon-Heiligtums. Die am We­ges­rand abgestellten Relikte, Tempelfragmente meist, sind nicht sonderlich gesichert.

   Wir wollen noch ein wenig die Umgebung erkunden und fahren einige Kilometer weiter bis zu einer Stelle, von der aus man bis zum Golf von Korinth hinuntersehen kann. Bei dem dortigen Kü­sten­städt­chen Itéa befand sich in der Antike Delphis Hafenstadt Kírra, in der die nach Delphi Pilgernden Zölle zu entrichten hatten. Von hier oben bis dorthin, annähernd 10 km tief, sollen mit ungefähr 500.000 Bäumen die größten Olivenhain-Plantagen Griechenlands liegen. Auf einem Sträßchen beim Dorfe Chrissó lässt jemand  seine Hunde immer wieder Schafe zu­sam­men­trei­ben; es dürften Gebirgsschäferhunde sein, die von den antiken Molossern abstammen und vielleicht für einen Wettbewerb trainiert werden.


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