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V Mitschüler/Schulen
Alt-Walsum 1951-53
OB-Holten 1953-55
OB-Sterkrade 1955-65
VI Germanistica

Treppenhaus unweit vom Musiksaal

Quelle: www.fvsg-ob.de/163.html


ERDKUNDE


Hierin scheint uns also eine Zeit­lang auch un­ser Deutschlehrer, Herr von der Laden, un­ter­richtet zu haben. So­dann, lei­der eben­falls nur für kur­ze Zeit, kommt aus Bo­gotá der lie­bens­wür­dige Dr.(?) Leuschner, genannt „Leo”, zu uns. Er hat ei­nen leich­ten Ak­zent, ist um die 50 Jah­re alt und für ei­nen Lehrer unge­wöhnlich gut ge­klei­det und frisiert. Er be­­han­delt uns höf­lich, ja re­spektvoll und geht manch­mal in ei­nen ka­me­rad­schaft­li­chen Ton über, so wenn er den Samm­lern un­ter uns fremd­ländi­sche Briefmarken mit­bringt. Gern er­zählt er uns vom spa­ni­schen Stier­kampf und ver­tei­digt ihn mit stol­zer Hef­tigkeit. Als er ein­mal den Klas­sen­raum be­tritt, be­fin­de ich mich ge­ra­de un­ter dem Leh­rer­pult, und blei­be auch, kühner ge­wor­­den, dar­un­ter, bis er mit sei­nen Bei­nen an mich stößt. Er ta­delt mich da­für, scheint mir aber nicht ernst­lich böse zu sein.

Ich weiß nicht mehr, ob ich unter dem Pult etwas suchte oder vor ei­nem Wurf­geschoß in Deckung ge­gangen war. Wie auch im­mer, es ent­wickelte sich dann so etwas wie ei­ne körpernahe gefährliche Be­gegnung in einer Are­na.


Bei der Schilderung unseres Sportunterrichts fällt mir wieder ein, daß „Leo” eine Zeitlang auch unser Schwimm­leh­rer war. Statt uns Anfänger im Nicht­schwim­merbecken nichtsnutzige Übungen ma­chen zu lassen, er­laubt er uns dort Was­ser­ballspiele.

*


Zwei oder drei Jahre lang ist Studienassessor HAMMER” unser Erd­kun­de­leh­­rer, ein schon ergrauter dick­li­cher und rotbäckiger Mann um die Mitte 30, der oft in einem rotbraunen Ledermantel er­scheint. Einer der Stu­di­en­rä­te er­klärt uns ein­mal, daß „Kol­lege Hemrich”, der wie­der einmal gar nicht mit uns zu Rande kam, als Sol­dat in Sta­lin­grad(?) Schlim­mes durch­ge­macht habe. Von Hammer selbst er­fah­ren wir nur, daß sein Front­ab­schnitt an dem Tag, als Hit­ler ihn be­suchte, „wie eine Eins” allen Angrif­fen stand­ge­­hal­­ten hätte.


Fast jeder von uns macht sich über ihn lustig, und einige Schül­er, zu denen ich gehöre, geben ihm dreiste Ant­wor­ten und erl­au­ben sich Dinge, die bei an­de­ren Lehrern undenkbar wären. So wer­fen wir ihm und sei­nem Au­to, das er mit einer lä­cher­li­chen Pla­ne zuzudecken pflegt, Schneebälle nach, wenn er im Schleich­tem­po nach Hau­se, das heißt zu­rück zu seiner Mutter fährt. Als er mit einem neuen Motorroller daherkommt, wird ihm bald hin­ter­her­ge­ru­fen: „Ist der Roller bezahlt?” (Melodie nach der be­kann­ten Er­innerung an die Rund­funk­ge­bühr). Im Un­ter­richt legt er sich immer wieder un­geschickt mit einzelnen Schülern an, blickt sie – auch mich – miß­trau­isch, feind­se­lig oder haßerfüllt an, trägt sie sodann ins Klassenbuch ein (einige meiner Zeug­nis­se ver­bu­chen je­weils mehrere „Tadel”) oder zückt sein No­tiz­büch­lein und verkündet genüßlich seine Ra­che­no­te. Ein sol­ches Ver­­hal­ten ken­ne ich ei­gentlich nur von anderen Kin­dern.

Zwei Klassenkameraden entsannen sich Jahrzehnte später noch ei­nes kleinen „sadi­stischen Tricks” dieses Päd­a­go­gen: Halb ver­steckt hielt er einen Rohrstock im Jackenärmel, den er dann, um einem Schü­ler einen Stoß zu ver­set­zen, rasch her­aus­fah­ren ließ. Mir däm­mert so etwas, doch habe ich es selbst wohl nie er­leiden müs­sen.

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