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VI Germanistica



Franz Pieczyk alias „TRAPPER” 1970 (*1906 †1983)


Quelle: ‘Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums’ (Oberhausen 2005, S.27)


Und dann gelingt es doch noch einmal einem unserer Studienräte, Terror in der Klasse zu ver­brei­ten. Es ist un­ser Lateinlehrer „FRANZ” ali­as „TRAP­PER”, letzteres nach Karl Mays Trapper Gei­er­schna­bel, um der Phy­sio­gno­mie wie auch der lauernden Haltung dieses Mannes ge­recht zu wer­den. Er wird zwi­schen 40 und 50 sein, schleicht sich während des Unterrichts manchmal an ei­nen Ver­däch­tig­ten her­an und erl­aubt sich auf Ko­sten der schwäch­sten Schü­ler seine Späßchen, in­dem er sie mit ei­nem Re­per­toire witzig sein sollender Sprü­che über­zieht oder jem­an­den wie Her­bert U., sei­nen Nach­na­men ver­dre­hend, wiederholt als „Un­ver­stand” verhöhnt.


In unserer „Bierzeitung” zur „Mittleren Reife” (1962) wird er so be­dacht:

                                                  „In Obertertia kam er zu uns,/ schon man­chem von uns wohl­be­kannt

                                                  ... und mancher ihn schon da­mals wünsch­te/ nur dorthin, wo der Pfef­fer wächst

                                                  Mit väterlicher Liebe doch, mit et­was/ ‚Nach­druck‘, ein paar Hie­be

                                                  half Trap­per uns auch das be­­ste­hen,/ nicht sel­ten doch mit strenger Miene”.

Die danebenstehende Ka­ri­ka­tur von Wim Wenders widmet sich besonders dieser grim­mi­gen Gei­er­schna­bel­mie­ne (Ab­bil­dung S. 32).


Verzeichnet werden von ihm, der mit Schlüsselbund und Krei­de nach uns geworfen hat, noch einige je­ner Sprüch­lein wie:

Ins, twi, dri, pinn him upp, hundertmal schrei­ben hilft si­cher­lich.” „Du nix können, Du pinnen!” „Tu was, sonst kleb­ste ohne Uhu”. „Ihr Ho­sen­pfei­fer, oh war­tet!” „Verdimmi noch ‘en mal! Den Arsch soll man Euch versoh­len!” „Scheiß hast ge­schrie­ben, 6 hast geschrieben!” „Scheiß­kerl, werd’ Dich eintragen!” „Du sein be­kloppt und 4 mal 7!”

Der anonyme Verfasser jener Verse schließt mit dem verdeckten Hinweis:

                                        „Er ist der einzge Mann, wie lang wird es noch währen,

                                        der sich den lieben, langen Tag von Pfefferminz tut nähren.

                                        Doch nun hebt alle euer Glas ... und lan­ge mög’ er leben noch!”


Wenn „Trapper” in meine Nähe kommt, streift mich wirklich manch­­mal seine Al­ko­hol­fahne. <Griff er, sich des­sen bewußt, dar­um so gern zu seinen Di­stanz­waffen Kreide und Schlüs­sel­bund?> Mich behandelt er zwar co­ram pu­b­lico nie so gemein, bleibt je­doch ein hin­ter­li­sti­ger Feind. Und als ich ihn einmal dar­auf hin­wei­se, daß er mir in einer Klassenarbeit, die ich wohl nur um ein Haar ver­fehl­te, et­was als Feh­ler an­krei­de­te, das er mei­ne mit „gut” oder „sehr gut” benoteten Banknachbarn Nor­bert durch­ge­hen ließ, ent­schei­det er nicht et­wa zu mei­nen Gunsten, son­dern streicht dies unverzüglich auch Norbert als Fehler an, der da­durch wohl auf ei­ne schlech­te­re 


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