Home
Impressum
RUTH FLEIGS GALERIE
Schulkinder malen
Bilderbuch Rob. Rabe
Kritzel-Kratzel
HORST FLEIGS TEXTE:
I  Philosophica
II  Reiseberichte
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
VI GERMANISTICA
A Der alte Goethe
B Zu Theodor Fontane
C Zu »Bonaventura«
Vorbemerkung
Literar. Identität
Mikrostilistik
Exlusionsphase
›Memnon‹-Nacht
Name und Maske
D Zu Aug. Klingemann

ZERSPRUNGENE IDENTITÄT
KLINGEMANN - ›NACHTWACHEN VON BONAVENTURA‹

________________________________________________________


»Bonaventura« verwandte nervige Mentalitäten wiederum demonstrierten immer erneut, wie leicht man von Zweifeln an der Mikrostilistik zu packen ist. Da ist die wendige, wenn auch ziemlich kurzatmige Erzählhaltung für ›Reiseschatten (Von dem Schattenspieler Luchs)(1811) (= J. Kerner), mit dem Darstellungsprinzip von »Schattenreihen«. Bedenklicher, daß gleich drei und durchweg leichtfertige Satiriker Eindruck machen können, faustdicker Inadäquanzen zum Trotz: Th.H. Friedrich, D. Jenisch und J.D. Falk. Bei letzteren ernüchtert gehörig eine nichtsatirische Schrift: Vorwarnung vor intellektuellen Rollenhaltungen (aber weiterhin fesseln Zufallsfunde wie die ›Blätter aus dem Sagenbuch der Vorzeitvon J.K.F. Manso, allein durch die ver­haltene Trauer, merklich die eines Altphilologen, im aussparenden Erzählbericht wie an Trümmern vorbeizu gleiten.)


In Erwartung eines coup de foudre, wie gegenüber der versteckten Liebe aus Kindertagen, enttäuschte Klingemann. In Tü­bin­gen lagen nur die Abhandlungen in der 1800 von ihm herausgegebenen poetischen Zeitschrift Memnonvor. Mikrostilistisch zwar erscheint er auf den ersten Blick stark wie Hell; was gegen ihn spricht: bei den Konjunktionen der häufige Gebrauch des adversativen allein, hier und da (5mal) konzessiv wenngleich, wenn auch, wenn schonsowie öfters das Adverb durchgängig/durchgehends, auch die bevorzugte Schreibform sich nähern, das reicht bei weitem nicht, um die »Bonaventura« gleiche Kombination von Vorlieben zu erschüttern: obgleichist die konzessiv bevorzugte Konjunktion (8mal), oft und ausschließlich schreibt Klingemann indeßund ; denn, keinmal verwendet er das Relativpronomen welcher, schreibt Plane, Ahnung/ahnen, Karakter, komm(s)t, ohn ... ; auch umgangssprachlich-Tautologisches kommt vor, so z.B., aber doch, aber dagegen...

   Und weiterhin hält er den Ausschließungsversuchen stand. Marginalie/Nachbem. Die intellektuelle Energie seiner Ab­hand­lun­gen aber fällt beträchtlicher ab gegen die Nachtwachen, als man es der Verfassung eines Dreiundzwanzigjährigen gegenüber einem Siebenundzwanzigjährigen zugestehen möchte, und statt der Rage des Verzweifelns die hochgestimmte Erwartung einer Kunstreligion.

-------------------------------------------------------------------------------------------

Marginalie im Originalmanuskript:) Zweimal bei Dramenlektüre aufgegeben, er ließ sich aber nicht abschütteln.

Nachbemerkung in der Publikation von 1974:) Als Beleg vorgesehen war, ausgebreitet und detailliert, eine Interpretation der mi­kro­stilistischen Verschiebungen bei Klingemann, und zwar über die Jahrzehnte hinweg und mit dem Hauptakzent auf der Zeit ge­gen 1804. Diese Analyse war im großen ganzen durchgeführt, niedergeschrieben übrigens zugleich mit der ersten Lektüre der Werke.

- 10 -

Weiter


 

Zurück
Top
http://www.fleig-fleig.de/