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VI GERMANISTICA

Luftbild von Oberhausen-Holten (um 1970): Hinter der ev. Kirche oben links der Gasthof 'Alt-Holten' und darüber die kath. 'Bruchschule'; ihr rechts ge­gen­über die ev. 'Schloßschule' mit angrenzender Turnhalle, dahinter das Kastell Holten

Rechts ein Google-Maps-Luftbild (um 2009) bei annähernd gleichem Bildausschnitt: Die beiden alten Schulen zwischen Kirche und Kastell sind verschwunden; neben der Turnhalle (1959) rechts die 1977 neu erbaute 'Kastellschule'.

Quelle: www.alfred-ulrich-lindemann.de/Kalender/PDF/Apr96.pdf

Zu einigen Unterrichtsstunden bei Rektor Hermann Schneiders


Ich fühle mich durch ihn nicht bedroht, bleibe aufmerksam und werde als einer der besseren Schüler von ihm in Ruhe gelassen. Überraschen kann er mich nur das eine Mal, als er unsere Schultornister ausräumen läßt. Doch scheine ich nichts Verbotenes mit mir geführt zu haben.


In „Heimatkunde” zeichnen wir auf durchgepausten <oder hektographierten?> Deutschlandkarten die Flüsse, Städte und Gebirge mit blauen, roten und braunen Stiften ein und schreiben ihre Namen hinzu.


Der Rektor bringt uns viele Volkslieder bei, darunter: „Die Luft ist blau, das Tal ist grün”; „Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal”; „Hoch auf dem gelben Wagen”. So manches dieser Lieder zieht mich aus dem Un­ter­richt hinweg in seine eigene Atmosphäre. Dagegen müssen wir bei Kanons wie „Froh zu sein bedarf es wenig” und „Abendstille überall” ständig aufpassen, dass wir unsere Einsätze genau hinbekommen. Singen wir nicht eine Zeitlang zu Beginn des Unterrichts „Jeden Morgen geht die Sonne auf”?


- Nur ausnahmsweise wie bei dem Goethelied „Ich ging im Walde so für mich hin” merkt er einmal etwas zum Text an. Und redet eindrücklich über das Lied von den Leinewebern, die man nicht verachten darf. Ich neh­me es mir zu Herzen und denke dabei auch an die Klassenkameraden, die ich nach meinem Übergang auf die höhere Schule bald zurücklassen werde. Das mir sehr zusagende Lied „Die Gedanken sind frei” be­zie­he ich auf der Stelle auf diesen tyrannischen Rektor, frage mich aber gleich danach, ob nicht auch er sich dies hätte denken können.


Als ich im Herbst 1953 von einem mehrwöchigen Erholungsurlaub von Wyk auf Föhr zurück in den Unterricht komme, haben meine Klassenkameraden inzwischen das „Kleine Einmaleins” erlernt und führen nun dem Rektor ihre neuen Künste vor. Ich kann nicht folgen und fühle mich übergangen, ja hintergangen. Dann aber, am nächsten Sonntag, hole ich alles nach, und zwar perfekt und in einem mir unbekannten Hoch­ge­fühl.


Eine neu angekommene(?) Schülerin mit weißblondem Haar wird vom Rektor aufgefordert, ein Lied aus ihrer Heimat vorzusingen. Sie hat sich wenige Schritte vor uns hingestellt und singt nun mit schöner fester Stim­me: „Diesen Weg, diesen Weg bin ich oft gegangen, Vöglein sangen Lieder. Nur nach dir, nur nach dir, hab ich ein Verlangen, Thüringer Wald, nur nach dir! ...”


Der Rektor will wissen, was das Wort „unsympathisch” bedeutet. Ein Mädchen meldet sich und sagt, dass man einen solchen Menschen nicht leiden kann.

Warum habe ich nur diese Frage behalten? Ich bin mir sicher, dass ich damals nicht an den Fragesteller dachte, sondern nur leise für mich an der richtigen Antwort formulierte. Im Lauf der Zeit muss ich ihn demnach ins­ge­heim mit diesem Wort identifiziert haben.


Voll des Lobes spricht er über den „Weltspartag” und den „Muttertag”. Zum „Reformationstag” werden wir zusammen mit anderen Klassen die fast schnurgerade Kastellstraße hinunter zum 'Kastell'-Kino geführt, wo wir uns einen Schwarz-Weiß-Film über Martin Luther ansehen.


Manchmal zeigt uns der Rektor auch im Unterricht einen Kurzfilm. Zu diesen Filmen vgl. S. 7-9 der Homepage-Rubrik  Film und Kindheit.


Und schließlich erinnere ich mich noch an fröhliche Stunde bei ihm ein: Es scheint noch zu schneien, als wir aus dem Unterricht hinaus in den Schnee dürfen und seitlich hinter der Schule den einen oder anderen Schnee­mann bauen.

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