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Schloßschule Oberhausen-Holten: Rektor Hermann Schneiders (*1901)

 

 Ein musischer Sadist (Schulrektor

 

Im 3. und 4. Schuljahr, nach den Osterferien 1953 bis Ostern '55 ist Rektor Schneiders mein Klassenlehrer. Er ist groß, massig und fleischig, kann aber unbemerkt seinen Platz verlassen und immer wieder einen von uns bei etwas Verbotenem ertappen. Mit seinem leisen Lächeln kommt er mir zu­nächst gutmütig vor, bis zu sehen ist, daß er zugleich scharf und lauernd unter seinen buschigen Brauen Ausschau hält. Wenn er, wie so oft, je­man­dem mit dem Rohrstock auf die vorgestreckte Hand schlägt, behält er dieses Lächeln bei. Besonders gern scheint er sich einen der schwä­che­ren und kleinsten Mitschüler vorzunehmen, ruft ihn, auch wenn er ihn sogleich bestrafen wird, mit einer Verkleinerungsform seines Nachnamens auf, die wie „kleines Scheißerchen” klingt.


Dieser ehemalige Mitschüler stimmte um 1990 meiner Vermutung zu, dass unser Rektor, von dem er oft geprügelt oder mit Abschreibearbeiten be­straft worden wäre, seine Freude beim Verabreichen solcher Schläge gehabt hätte. Einer meiner Pfadfinderkameraden, der den Rektor noch aus späteren Jahren kannte, bezeichnete ihn als heimtückisch und den unangenehmsten aller Lehrer, der auch auf die Schüler der gegenüberliegenden ka­tho­li­schen Schule einzuschlagen pflegte. Sein „Lächeln” sei nur ein maskenhaft starrer Gesichtsausdruck gewesen. Eine ehemalige katholische Schülerin er­zähl­te mir, wie er zu ihr herüberkam, sie willkürlich irgendeines Vergehens bezichtigte und ihr auf der Stelle eine Strafe gab; und eine andere, wie er ihr ohne weitere Fragen ins Gesicht schlug, als sie auf dem Schulhof Kastanien sammelte. Noch im Jahr 2013 schrieb mir ein jüngerer, mir un­be­kann­ter Schüler: „Ich erinnere mich an Demütigungen vor der Tafel, die waren so nachhaltig, dass mir die Schule erst Jahrzehnte später wieder Spaß mach­te. Prügelattacken mit Rohrstock und Faust vor der Klasse sind mir bis heute in brennender Erinnerung. Noch heute könnte ich ihn an die Wand nageln.”

    Meinem jüngeren Bruder und dessen Freund machte der Rektor einmal den absurden Vorwurf, auf einer Wiese ein Pferd angestochen zu haben. Als mein Bruder daraufhin auf einen im Treppenflur aushängenden Stundenplan „Schneiders, du Aschloch!” schrieb, diktierte dieser einige Zeit später der Klasse eine Rechenaufgabe des Inhalts, daß ein Ascheimer ein Aschloch mit soundsoviel Zentimetern Durchmesser habe; eine Aufgabe, die er als Handschriftenprobe benutzte und so meinen Bruder überführen konnte.


Warum nur gebe ich all dies wieder? Brauche ich es immer noch für meine Empörung über das, was er mir gegen Ende des 4. Schuljahres antun wird? Und wie steht es um die Auskunft, die ich 1976 von einer älteren Caféwirtin erhielt, dass dieser Mann einst als Sozialdemokrat von den Nazis ver­folgt worden war? Kann der Gedanke, dass sein späteres Verhalten etwa als „Identifikation mit dem Aggressor” erklärbar wäre und er ge­wis­ser­ma­ßen Gestapomethoden verinnerlicht hätte, meinen Groll noch besänftigen? Schwerlich.

    Dieser unser Rektor, der uns einst das wunderschöne ostpreußische Lied Es dunkelt schon in der Heidebeibrachte, soll selber aus Ostpreußen stam­men und als 89jähriger – um 1992 – dorthin zu seiner Tochter gezogen sein.

P.S. 2014: Seine preußische „Personalkarte” weist nur aus, daß er 1901 geboren wurde, 1922 am katholischen Lehrerseminar Münstermaifeld (Landkreis Mayen-Koblenz) seine 1. Lehrerprüfung und erst 1929 in Krefeld seine 2. Prüfung ablegte. Seit November 1933 unterrichtete Herr Schneiders an unserer „ev. Volksschule” in Oberhausen. Erst mit diesem Wechsel scheint er auch die evangelische Konfession angenommen zu haben.

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