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VI GERMANISTICA




Greta Kühnel 1951und 1953/54




Helmut Pläumann, Volker Döhring und Klaus Solder 1954/55

Wer kommt aufs Gymnasium?

 

Eines Morgens möchte unser Rektor von uns wissen, wer zu der Aufnahmeprüfung für eine höhere Schule angemeldet werden soll. Nie zuvor sprachen wir darüber, nicht im Unterricht und auch nicht zu Hause. Als ich meiner Mutter davon berichte, fragt sie aufgeregt, ob ich etwa ge­sagt hätte, nicht daran teilnehmen zu wollen? Ich kann dies verneinen; und freue mich, als ich höre, daß auch ich diese Prüfung ablegen soll.

In den folgenden Tagen aber muss ich verwirrt und betrübt zur Kenntnis nehmen, dass einige Mitschüler, die ich für sehr intelligent halte, von ihr­en Eltern weder für ein Gymnasium noch für eine Mittelschule angemeldet werden sollen. Besonders bedauernswert finde ich Greta, die ich wie etwa auch Elke gut leiden mag, und sehe noch, wie sie so stumm dasitzt, als wir anderen aufgerufen oder schon über die nächsten Schrit­te informiert werden. Ich begreife dies einfach nicht!

So manches Mal kam mir diese Auswahlszene schon in meiner Jugend als Schlüsselerlebnis für soziale Ungerechtigkeit in den Sinn. Dies woll­te ich eben sowenig vergessen wie die weniger krasse, dafür hinterhältigere Selektion, die ich dann auf dem Gymnasium kennenlernte, indem ei­ni­ge besonders interessante und geistvolle Mitschüler zugunsten der lernwilligen, das heißt im Elternhaus nachdrücklich geförderten, aus dem Fel­de geschlagen wurden.

   Von uns 42 Viertklässlern der evangelischen Schule kamen 1955 zehn auf die höhere Schule, was deutlich über der damals üblichen Jahr­gangs­quo­te (rund 15 Prozent) lag und sich durch den Standort des dortigen Chemiewerks erklärt. Sechs oder sieben von denen, die auf ein Lyzeum oder Gymnasium wechselten, waren Kinder von (leitenden) Angestellten dieser „Ruhrchemie”; die Väter der anderen waren Pfarrer, Lehrer und Lebensmittelhändler. Weitere vier oder fünf Schüler gingen zur Mittelschule ab, unter denen zwei wohl Handwerker zum Vater hatten.

   Auf dem Gymnasium wurden wir Jungen strikt nach dem Alphabet auf die beiden Sexten verteilt, so dass nur noch einer aus meiner alten Grundschule mit mir weiter in dieselbe Klasse ging.


Aufnahmeprüfung” für das Gymnasium

                         (laut Eintrag ins Zeugnisheft am 1.2.55)

 

Zusammen mit meinem Klassenkameraden Detlef werde ich von dessen Eltern im Auto zum Sterkrader Gymnasium gebracht. Im Erdgeschoss des riesigen, lang- und hochflurigen Gebäudes sitze ich nun mit anderen Jungen in einem Klassenzimmer, den Rücken zur Tafel, und habe wohl einen Aufsatz zu Papier zu bringen. Mir gegenüber sitzt hinten links ein Lehrer, der in seine Zeitungslektüre vertieft ist.

   Ich weiß nicht mehr, wann uns die Ergebnisse der schriftlichen Prüfung mitgeteilt werden. Hinterher habe ich ein gutes Gefühl. Auch loben mich die Eltern meines Mitschülers noch im Schulflur dafür, wie ich mich gehalten hätte.

   Irgendwann nach oder schon vor der Prüfung berichtet mir Mutter, dass sie mich angemeldet und der neue Direktor zu meinem Schul­zeug­nis bemerkt habe: „Wenn nur alle ein so gutes Zeugnis hätten ...” Das alles klingt recht beruhigend.


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