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VI GERMANISTICA



Herr Studienrat Wetzel 1965 (Ausflugsfoto von Alfred Schraven)

Humoristisch-satirische Lekt├╝re in der Obertertia

Quelle: http://bi.schraven-net.de/su/651101_fussb/651101_fussb1.htm


An einige dieser Mittelstufenlehrer habe ich nur eine schwache Erinnerung, die Studienassessoren nämlich, die uns besonders in diesen Zwischenjahren zu­ge­wie­sen werden und nicht lange bei uns bleiben.


Englischunterricht erteilt uns so ein langgliedriger Assessor, der in seinem Erscheinungsbild, zu dem auch ein wetterfester Ledermantel gehört, für mich eine seltsam proletarisch-asketische Ausstrahlung hat. Von seinen Unterrichtsthemen habe ich vielleicht nur deshalb noch behalten, wie er uns eine amerikanische Kurzgeschichte mit dem Titel Digging is harder than Latin nahezubringen sucht. Wir Schüler nämlich seien gegenüber denen, die ihren Lebensunterhalt mit solch körperlichen Arbeiten wie dem Ausheben von Gräben bestreiten müssten, privilegiert und schuldeten darum anderen – auch den uns Unterrichtenden – so manches. Ich höre seiner Erklärung mit gemischten Gefühlen zu.

Es war dies eine autobiographische Episode von John Adams, dem zweiten Präsidenten der Vereinigten Staaten (1797-1801).


Nachträglich stoße ich wieder auf eine humoristische Unterrichtsbroschüre von George Mikes, die er in der Obertertia mit uns durchging und die ich mit seinem ernsten Wesen gar nicht mehr in Verbindung gebracht hatte: „Oh, these English!/ Extracts from ‚How to be an Alien’”. Herr Wetzel klärte uns als Erstes über die korrekte Aussprache des ungarischen Familiennamens dieses Autors auf.

   Angesichts dieses Lektürefundes will mir nun gar scheinen, als hätten wir bei ihm auch eines der munteren Liedchen wie das von Dublins ‚Molly Malone’ ge­sun­gen („ ... Now her ghost wheels her barrow,/ Through streets broad and narrow,/ Crying, ‚Cockles and mussels, alive, alive, oh!’”.).

   Mein Mitschüler Gerd Romahn erinnerte mich an den Spitznamen, den Herr Wetzel seines breit schwankenden Ganges wegen von uns erhalten hatte: Spreiz­bein. Dazu findet sich auch in der ,Mittelreife’ von 1961, der Bierzeitung unserer Vorgängerklasse, noch die folgende Beobachtung zu dem er­staun­li­chen Arbeitsschwung von Herrn Wetzel:

                                                                                          „ ... und sobald die Klingel schellt,| kommt er in den Raum geschnellt.

                                                                                          Mit langgezogenem Seemannsschritt| wankt er in der Klasse Mitt’,

                                                                                          Legt die Tasche auf das Pult,| öffnet sie mit Ungeduld...”


P.S. 2018 zur Identität unseres Englischlehrers: Dem Geburtsdatum (1929) sowie der Fächerkombination (Englisch und Französisch) zufolge scheint es der spä­te­re Studiendirektor Eckart Wetzel (1929-2015) zu sein; vgl. diese <inzwischen verschollene> Mülheimer Traueranzeige.


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