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IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
Alt-Walsum 1951-53
OB-Holten 1953-55
OB-Sterkrade 1955-65
VI GERMANISTICA

Die um 1450 erbaute Kirche von Oberhausen-Holten um 2010 und 1930 (noch mit Turnhelm)


Rechts: Das ev. Jugendhaus für den Konfirmationsunterricht, mit zeittypischer Bauplastik eines
Rehrudels (Foto 1989). Darunter mit neuer funktioneller Kunst am Bau (Foto 2010)

Quellen für die Kirchenfotos: www.pudelgarten.de/263801113401.html   www.rheinruhronline.de/images/holtenneu4.jpg


Religion und „Glaubensbekenntnis”

 

Um 1953/54: „Katholische Ratten, vom Teufel gebacken ...” rufen einige von uns höhnisch oder mit gehässiger Inbrunst hinüber zu den Jungen aus der katholischen Schule, mit denen wir den Schulhof teilen. Auch ich stimme anfangs einmal mit ein, um die da drüben zu ärgern und zu verspotten. Mir ist dabei, als hätte unser Rektor, der sonst so ziemlich alles unerbittlich verfolgt, im Grunde nichts dagegen.


Über Jahre hin muss ich sonntags mit meinem Bruder den evangelischen „Kindergottesdienst” in der uralten Holtener Kirche besuchen. Die Predigt hält der lange und et­was steife Pfarrer, der Vater meiner Klassenkameradin Etta, dessen befremdliche <norddeutsche>s-t”-Aussprache mich dabei noch am stärksten fasziniert. Die Kir­chen­lie­der aber singe ich gern mit und werde besonders von ihrer alten Sprache berührt, in die immer wieder fremde geheimnisvolle Wörter eingelegt sind.

 

Viele biblische Szenen beeindrucken mich so stark wie die Götter- und Heldenszenen des Trojanischen Krieges und die wundersamen Erscheinungen in den Märchen. Auch mag ich Jesus recht gut leiden, den ich vor allem im nächtlichen Garten Gethsemane bedauere, wo er von allen so verlassen ist. Während aber die Gestalten der Märchen und Sagen ein luftiges freies Leben führen dürfen, sollen wir hier, im Religionsunterricht, an all das „glauben” und später sogar eine Reihe von auswendig zu lernenden Glaubenssätzen bekennen”. Das kann und will ich nicht. Und finde es nur verachtenswert, dass die „Ungläubigen” beschimpft werden und ihnen, zu denen ich mich dann selber insgeheim bekenne, noch mit der „Hölle” und „ewiger Verdammnis” gedroht wird.


Als ungefähr Zehn- und Elfjähriger suche ich über Monate hin das Jugendheim (des CVJM) auf, um dort Tischtennis und -fußball zu spielen. Und komme dorthin als 13-Jäh­ri­ger in den „Konfirmationsunterricht”, der meist von jungen Helferinnen des Pfarrers in dem kleinen Jugendheim schräg hinter der Kirche gegeben wird. Monate oder Wochen vor der Konfirmation erkläre ich meinen Eltern, dass ich nicht mehr daran teilnehmen und überhaupt „aus der Kirche austreten” möchte. Sie erlauben es mir. Da­nach begebe ich mich noch ins Sekretariat des Gymnasiums und lasse mich vom „Schülergottesdienst” und vom Religionsunterricht „befreien”.


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